Mittwoch, 1. Februar 2012

Japan: Ein Schweizer Spital in Onagawa


Lorenz Indermühle ist beim SRK verantwortlich für das Wiederaufbauprogramm in Japan. Er berichtet in seinem Tagebuch von unterwegs.

Heute besuchen wir das Spital, das mit dem Geld der Schweizer Bevölkerung wieder aufgebaut wird. Spenden von SRK, Caritas und der Glückskette finanzieren das Projekt.

Auf dem Weg erklimmen wir mit dem Minibus einen Hügel. Der Fahrer erklärt, dass das Wasser des Tsunamis hier über den Hügel kam, aus der Nachbarbucht hochgedrückt. Wir sehen weit und breit kein Meer. Doch die Spuren der Verwüstung sind bald ein Jahr nach der Katastrophe noch immer unübersehbar.  Fast die ganze Stadt wurde vom Tsunami weggefegt.
Vom Hügel aus sehen wir, was von der Ortschaft Onagawa noch übrig ist – ein gekipptes Haus im Meer, das als Erinnerung bleiben soll; ein riesiges,von Trümmern geräumtes Feld; ein Hügel mit dem wieder aufgebauten Spital.



Das Spital in Onagawa liegt zwar in erhöhter Lage – und wurde dennoch überschwemmt und teilweise verwüstet. Im Spital wurde ein Kaffee eingerichtet – das einzige weit und breit, denn in der Stadt ist nichts mehr vorhanden. Menschen, die in den provisorischen Container-Häusern nicht alleine leben können, werden vom Spital aufgenommen, auch das Sozialamt ist hier untergebracht. Neben medizinischen Aufgaben übernimmt das Onagawa-Spital auch eine wichtige soziale und psychologische Funktion.


Die meisten Bewohner von Onagawa wohnen in solchen Container-Siedlungen. Auch Spitaldirektor Abe-San hat sein Haus verloren. "Wir müssen den Menschen Halt geben, ihnen zeigen, dass der Wiederaufbau voran kommt", sagt Abe-San. "Wenn sie sehen, dass das Spital wieder steht, fassen sie Mut und sind bereit, die Jahre auszuharren, bis die Stadt wieder aufgebaut ist".

Spitaldirektor Abe-San setzt sich seit dem Erdbeben  unermüdlich für das Wohl der Menschen in Onagawa ein. Er organisiert mobile Kliniken, die die Container-Siedlungen besuchen, kümmert sich um Betagte, hat Apotheke und Zahnärzte aus der Stadt ins sicherer gelegene Spital geholt.

Abe-San ist nicht allein. Denselben Enthusiasmus könnte ich für die leitende Pflegerin der Hausbesuche, den Arzt der mobilen Klinik oder die Sozialverantwortliche der Stadt Onagawa beschreiben. Sie waren alle bei den Sitzungen im Spital dabei und ihr Engagement hat mich tief beeindruckt.


Freitag, 13. Januar 2012

Haiti, 12. Januar: Ein Tag, fast wie jeder andere...

Markus Häfliger ist zurzeit in Haiti und unterstützt die Delegation das SRK. Für unseren Blog berichtet er über seine Erlebnisse.

Wie gedenkt man einer Jahrhundertkatastrophe? Was tut eine Stadt, die exakt auf dem Epizentrum eines Erdbebens der Stärke 7,0 lag, zwei Jahre danach?

Der Bürgermeister von Léogâne tut gar nichts. Ein Gedenkakt zum Jahrestag? Die Einwohner schütteln bloss den Kopf. Wohl hat die haitianische Regierung den 12. Januar zum Feiertag erklärt und auch die einheimischen Angestellten des Schweizerischen Roten Kreuzes haben heute frei. Doch ansonsten ist es ein Tag wie jeder andere. Marktfrauen bieten Mangos und Mandarinen feil. Neben dem städtischen Markt wird eine Kuh geschlachtet. Jugendliche füllen an Wasserstellen ihre Plastikkessel und tragen sie auf dem Kopf nach Hause.

Alltag in Léogâne, einer Stadt so gross wie Bern, 35 Kilometer ausserhalb der Hauptstadt Port-au-Prince. 5000 bis 10'000 Todesopfer hat das Erdbeben hier gefordert. Mehr als die Hälfte aller Häuser wurden zerstört.

Ganz in der Nähe, im Bergdorf Palmiste-à-Vin engagiert sich das SRK beim Wiederaufbau. Auch dort war die Zerstörung immens. Rund 600 Häuser wurden unterdessen wieder aufgebaut. Doch die Wunden der Katastrophe sind noch längst nicht verheilt.

Plötzlich ertönt von irgendwo her Blasmusik. Langsam nähert sich der Umzug, man hört auch Gesang. Angeführt wird der Umzug von einem Mann an zwei Stöcken, der so laut singt, dass er sogar die Musik übertönt: "C'est le dieu éternel qui nous a donné la vie."


Pierre Richard Tranchant (vorne links) führt den Umzug an.
 Der Mann heisst Pierre Richard Tranchant und ist Präsident des Behindertenvereins von Léogâne, der den Umzug organisiert hat. Diabetes hat ihm eines seiner Beine geraubt; viele seiner Kollegen im Umzug sind beim Erdbeben zu Behinderten geworden. "Wir sind hier, um der Opfer des Erdbeben zu gedenken", ruft er im Vorbeigehen. Die Sonne treibt den Schweiss auf seinen kahlen Kopf.

Auf einem schmalen Stück Land zwischen Hauptstrasse und Friedhof ist die Gruppe am Ziel. Es ist das Massengrab des 12. Januar 2010. Hier wurden nach dem Erdbeben die Toten bestattet. Ein paar weiss und schwarz gestrichene Steine und ein einfaches metallenes Kreuz markieren das Grab. Offenbar hat jemand noch kurzfristig die Farbe aufgefrischt; ein Farbkübel steht noch da.

Die Brass Band spielt auf dem schmucklosen Grab der Opfer des 12. Januar 2010
Der Zug kommt zum Stillstand. Pierre Richard Tranchant betet mit lauter Stimme das Vaterunser. Rund 150 Menschen und ein paar Journalisten umringen ihn. Viele weinen. Einer setzt zu einer bitteren Rede an. Er kritisiert den Bürgermeister, die haitianische Regierung, Amerika. All jene, die sich zu wenig um die Behinderten kümmerten. "Unser Leben ist noch nicht zu Ende", ruft er all den Offiziellen zu, die nicht anwesend sind.

Ein Mann und eine Frau legen Blumenkränze nieder. Dann zerstreuen sich die Schaulustigen. Es ist ein Tag fast wie jeder andere am Epizentrum.
Auf dem Massengrab der Stadt Léogâne werden Kränze für die Erdbebenopfer niedergelegt.
News-Chronologie Haiti

Das SRK in Haiti

Mittwoch, 4. Januar 2012

2 x Weihnachten: Anpacken beim Auspacken

Dieser Tage treffen die Pakete der Aktion 2 x Weihnachten 2011/12 beim SRK in Wabern ein. Zwei Dutzend Prominente halfen zum Auftakt beim Sortieren der Geschenke. SRK-Mitarbeiterin Isabel Rutschmann hat mit angepackt.

Es ist fast ein bisschen wie beim Einkaufen. Nur umgekehrt. Ich fülle den orangen Einkaufskorb im Gedränge zwischen den Regalen nicht mit Waren, sondern ich leere ihn. Keine leichte Aufgabe. Die Kartons, in denen ich die gespendeten Hilfsgüter wie Teigwaren, Shampoo, Konservenbüchsen, Bücher, Mehl, Spielwaren oder Schokolade deponieren muss, sind zwar genau gekennzeichnet. Doch da insbesondere bei den Esswaren das Haltbarkeitsdatum darüber entscheidet, in welchen Karton ich es legen soll, ist die volle Aufmerksamkeit gefordert. Zum Glück sind viele freiwillige Helferinnen und Helfer anwesend, die schon seit Jahren beim Auspacken und Sortieren der Geschenke dabei sind und mir im Zweifelsfall behilflich sind.

Die Pakete werden geöffnet und deren Inhalt in die Körbe verteilt, bevor wir alles sortiert in Kartons ablegen.

Es geht zu und her wie in einem Bienenhaus im Lager des SRK in Wabern, wo die Pakete sortiert werden. Über zwanzig Prominente aus Politik, Wirtschaft, Sport, Kultur und Fernsehen helfen zum Auftakt eine Stunde lang beim Auspacken.

Die prominenten Helferinnen und Helfer werden in die Aufgabe eingeführt und hören aufmerksam zu.

Musikwelle-Moderator Joël Gilgen beispielsweise hat gleich selber einen Korb voller Waren für die Aktion 2 x Weihnachten mitgebracht. „Das ist eine tolle Aktion. Ich habe immer davon gehört und daher war es für mich keine Frage, hier für einmal selber mit anzupacken“, sagt er. Er sei beeindruckt von der Organisation, fügt er an.

Joël Gilgen hat selber einen Korb voller Waren mitgebracht. „Extra eingekauft“, betont er.

Auch ich bin beeindruckt, wie gut hier alles organisiert ist und wie reibungslos die Sortierung abläuft. Die Einkaufskörbe, die die Freiwilligen täglich mehrere Stunden lang in der Lagerhalle umhertragen, sind schwer. Mir tut der Rücken schon nach wenigen Gängen weh. Auch das Aufschneiden der schweren Pakete ist anstrengend. SRK-Präsidentin Annemarie Huber-Hotz lässt sich nichts anmerken und reisst eine Stunde lang ein Paket nach dem anderen auf. Schliesslich ist sie nicht das erste Mal mit von der Partie.

SRK-Präsidentin Annemarie Huber-Hotz packt mit an.

Die unglaublichsten Spenden kommen zum Teil aus den Paketen zum Vorschein. Keyboards zum Beispiel, ein Regenschirm, Verlängerungskabel oder eine Velopumpe. Irgendwo in der Schweiz oder in Osteuropa, wo die Geschenke im Frühjahr verteilt werden, werden bestimmt auch diese Objekte einen neuen Besitzer finden, der sich darüber freut.


Isabel Rutschmann und Leichtathletin Sabine Fischer helfen sich gegenseitig beim Sortieren der Waren.

Video 'Prominente Unterstützung für 2 x Weihnachten'
Internetseite 2 x Weihnachten

Freitag, 16. Dezember 2011

Mütter in Not – das SRK hilft - und ist bei der Kampagne "Jeder Rappen zählt" dabei

Jeder Rappen zählt – auch das SRK macht mit bei der Kampagne von Schweizer Radio und Fernsehen und der Glückskett. Denn ein Teil des Geldes, das gesammelt wird, wollen auch wir für Mütter in Not einsetzen! Wenn ihr wissen wollt, was wir tun, schaut euch als Beispiel die Videos von Mario Torriani aus Bangladesch an. Radio DRS3 und SF2 haben die ganze Woche vom 12. bis 17. Dezember 2011 dazu gesendet.

Starke Mütter im Dorf


Arztbesuch


Dorfleben


Mario Toriani live aus Bangladesh am Di., 13.12.2011


Das SRK in Bangladesh

Ein Praktikum im SRK-Suchdienst

Ich heisse Walter Wälchli und arbeite seit dem letzten August als Praktikant im Suchdienst SRK.


Kaum hatte ich Büro Platz genommen, kam eine Suchanfrage des International Tracing Service (ITS) in Bad Arolsen (De). Der ITS war von Jane H. aus den USA kontaktiert worden, die ihren während des Zweiten Weltkriegs in Deutschland verschwundenen Urgrossonkel und dessen Familie suchte. Der ITS fand danach in seinen Archiven, dass dieser Urgrossonkel, James L., den Holocaust überlebt hatte und 1945 in Theresienstadt von den Amerikanern befreit worden war. Danach kam er, so die Nachforschung der deutschen Kollegen, in die Schweiz.



James L. mit seiner Familie

Ich fragte sofort beim Schweizerischen Bundesarchiv nach, ob James L. als Flüchtling registriert war. Und hatte Glück: Der Sachbearbeiter fand das Dossier. Darin steht, dass James L. nach einem Jahr in die USA auswanderte.

Frau H. freute hat sich natürlich riesig, als ich ihr diese Nachricht überbringen konnte – und ich freute mich mit ihr. Jetzt kann sie in den USA weiterforschen. Als Familienangehörige bekam sie vom Bundesarchiv eine Kopie des Dossiers, mit Dokumenten und Photos. Das wird ihre Suche erleichtern.


Cantor James L.

Für mich war es eine schöne Erfahrung, nicht nur wegen des gefundenen Dossiers. Sondern auch, weil ich sah, dass sich eine Familienangehörige drei Generationen später für das Schicksal ihres Urgrossonkels interessiert. Bis Februar 2012 arbeite ich jetzt noch im Suchdienst. Ich hoffe auf weitere erfolgreiche Fälle, darf aber schon jetzt ein sehr positives Fazit ziehen.

Walter Wälchli mit dem Familienportrait von James L.

Suchdienst SRK

Montag, 21. November 2011

Unser Post Office in Pakistan

Das Schweizerische Rote Kreuz unterstützt die Einwohner von drei Dörfern, deren Häuser in den Fluten von 2010 fortgeschwemmt wurden, beim Wiederaufbau. Die Dörfer liegen unweit der Ortschaft Khaipur Nathan Shah, kurz „K.N. Shah“ genannt. Mark Ita, SRK-Delegierter in Pakistan, erzählt, wie beim Aufbauprogramm Geldüberweisungen bei der Post funktionieren.

Das Städtchen ist ein staubiger Ort mit reger Betriebsamkeit, unzähligen Eselskarren, Motorrädern, Marktständen, mit vielen drängelnden, marktschreienden und hupenden Menschen.


Inmitten der Reisfelder des Industals gelegen, erfüllt es die Funktion eines regionalen Zentrums. Eine wichtige Institution auch für uns hier ist die Post.


Als unser administrative Verantwortliche Shazhad mir vorschlug, der Post einen Besuch abzustatten, ging mir in Gedanken das Bild einer polierten und wohl organisierten schweizerischen Poststelle durch den Kopf. Die Konfrontation mit der Realität war jedoch ein Sprung in eine andere Zeit. Wir schritten an schwer vergitterten Fenstern vorbei, vor denen sich Menschen versammelten und Papiere durch die Gitterstäbe reichten.


Wir klopften an eine massive alte Holztüre. Das erste, was ich sah, war der Lauf einer alten Kalashnikov durch den sich öffenenden Spalt, dem ein vorsichtig herausspähender Security-Guard mit grossem Schnurrbart folgte. Die ganze Szene erinnerte mich lebhaft an einen meiner Lieblingsfilme. Es fehlte nur noch der langezogen melancholische Klang der Mundharmonika zum Untermalen.


Im Innern angelangt, musste ich mich einen Moment an die vielen Leute gewöhnen, die emsig an Tischen Listen schrieben, ID-Karten prüften und zwischen Bergen von handgeschriebenen Listen und mit Gummibändern zusammengehaltenen Schecks und Geldnoten sassen. Die einzige sichtbare Elektronik waren zwei kleine Tischrechner und die Handys der Leute. Bildschirme und Computer suchte ich vergebens. Hier wird noch solide Handarbeit verrichtet, vom Schreiben bis zum Stempeln. Und die Stempel stammten mindestens aus der Zeit, als mein Grossvater seine Typographenlehre absolvierte.


Ein seriös und geduldig wirkender Postmaster empfing mich freundlich mit festem Handschlag an einem kargen Holztisch, der ihm als Pult diente. Dildar Hussain trägt die Verantwortung, dafür, dass alle Geldtransaktionen in diesem Städtchen sauber und korrekt abgewickelt werden. Auch wenn mir die Frage kommt, wie er die Übersicht über all diese Papiere hält, habe ich keine Zweifel, dass Dildar Hussain seinen Laden im Griff hat. Wie ein Fels in Brandung überwacht er seine Leute, erteilt Anweisungen und findet eine Minute, mit mir eine Tasse Tee zu trinken.


In unserem Projekt bauen die Menschen ihre Häuser selber. Sie kaufen auch das Baumaterial selber ein. Dazu gibt ihnen das SRK Geld – für jede definierte Bauphase eine Tranche. Aber nicht bar, sondern mit einer Scheckanweisung.


Jeder Familienvorstand in unserem Bauprogramm musste bei der Post eine Konto eröffnen, auf welchem die Post das Geld der eingelösten Schecks gutschreibt. Mit diesem Verfahren stellen wir sicher, dass das Geld an die richtige Person kommt und zweckbestimmt verwendet wird. Es hat sich nach sorgfältigen Abklärungen bei vielen Finanzinstituten gezeigt, dass einzig die Post diese Aufgabe verlässlich bewältigen kann – und erst noch kostenlos.


Es geht nicht schnell, aber unsere Erfahrung seit Beginn der Bauarbeiten hat gezeigt, dass es zur Zufriedenheit aller klappt.


Dank der pakistanischen Post und verantwortungsvollen Persönlichkeiten wie Dildar Hussain kommt unser Bauvorhaben mit stetem Schritt voran. Mit den richtigen Partnern geht es auch ohne Bildschirme.

Mark Ita, SRK-Delegierter in Pakistan

Das SRK in Pakistan

Mittwoch, 16. November 2011

Globi und die Schmuck-Ausstellung

Vom 11. bis 13. November 2011 hat das SRK die wertvollsten Schmuckstücke aus dem Projekt „Altgold für Augenlicht“ in Bern ausgestellt. SRK-Mitarbeiterin Annette Godinez hat mit ihrem 3-jährigen Sohn die Ausstellung besucht.
„Mama, kommt der Globi auch an die Ausstellung vom Roten Kreuz?“ Joel schaut mich erwartungsvoll an. Ich erkläre ihm, dass Globi heute nicht im Mittelpunkt stehe, sondern alles, was glitzert, glänzt und funkelt: Ohrringe, Ketten, Broschen, Fingerringe,... „Ach so!“, ruft der kleine Mann altklug und macht sich trotz der kleinen Enttäuschung an, ein paar Baumnüsse, ein Taschentuch und einen Pinguin einzupacken. Er scheint eine klare Vorstellung zu haben, von dem, was uns im Möbelgeschäft MEER WOHNEN in der Berner Altstadt erwartet.


 Vom 11. bis 13. November 2011 hat hier das SRK seine Schmuck-Kollektion ausgestellt. Alle ausgestellten Schmuckstücke sind dem Projekt „Altgold für Augenlicht“ gespendet worden. Mit dem Erlös aus dem Verkauf ermöglicht das SRK Hilfe für blinde und sehbehinderte Menschen in Afrika und Asien.

Als wir ankommen, hat Sara von Moos, die als Freiwillige den Schmuckverkauf betreut, bereits alle Hände voll zu tun. Jedes einzelne Schmuckstück soll schön präsentiert werden und zur Geltung kommen. Auch Miss Earth Schweiz 2010, Liza Andrea Kuster, hilft tatkräftig mit. Sie hat in ihrem Wahljahr das Projekt unterstützt und viele junge Menschen dazu animiert, für „Augenlicht schenken“ zu spenden.


„Bei dieser Ausstellung mitzuwirken, bedeutet mir viel“, sagt Liza, die nun als Moderatorin und Model für Nachhaltigkeit arbeitet. „Glitzer und Glamour für einen guten Zweck – das widerspiegelt die Philosophie, die mich bereits als Miss Earth Schweiz überzeugt hat.“


Liza trägt selber Kontaktlinsen und weiss aus eigener Erfahrung, wie rasch die Lebensqualität eingeschränkt ist, wenn man nicht gut sieht. „Es ist mir deshalb ein grosses Anliegen, „Altgold für Augenlicht“ zu unterstützen und mich für das Rote Kreuz und seine lange humanitäre Tradition einzusetzen“.

Während ich mich mit Liza unterhalte, macht Joel eifrig Notizen von unserem Gespräch – damit ich später noch wisse, was „die grosse Frau“ gesagt habe. Er hat bei Katharina von Samson, die ebenfalls ihren Schmuck ausstellt, viele Sugus-Täfeli entdeckt und darf sich eines davon nehmen.



Zuhause erzählt er seinem Vater, dass Globi eben nicht gekommen sei ins Rote Kreuz, dafür „eine rote Frau“. Als ich später Joels Jackentasche leere, finde ich nebst den Baumnüssen drei blaue Sugus.


Die Ausstellung und der Verkauf verlaufen erfolgreich. Mit dem Erlös können rund 200 blinde Menschen operiert und wieder sehend werden. Ein unvorstellbares Geschenk.

Freitag, 28. Oktober 2011

Leuchtende Kinderaugen in Moldawien

Die Geschenke der Aktion 2 x Weihnachten 2010/11 wurden unter anderem in Moldawien verteilt. SRK-Mitarbeiterin Wanda Arnet hat die Reise zur Bescherung begleitet und ihrerseits bleibende Eindrücke mit nach Hause genommen.

Es ist immer wieder spannend, bei der Verteilung der Geschenke von 2 x Weihnachten dabei zu sein. Dieses Jahr geht die Reise nach Moldawien - mein erstes Mal in diesem Land. Obwohl ich vorher wusste, dass Moldawien das ärmste Land Europas ist, bin ich schockiert über die Armut. Vor allem auf dem Land: Die Kinder wirken verwahrlost, viele haben keine Schuhe. Die Frauen holen Wasser beim Dorfbrunnen, weil es zuhause kein fliessendes Wasser gibt. Die Stimmung ist bedrückt.


Ich bin zusammen mit Zahra Darwishi von der Credit Suisse und Monika Tschopp von der Allianz Suisse unterwegs. Auch Vertreter der Schweizerischen Post begleiten die Reise. Diese Wirtschaftspartner unterstützen die Aktion 2x Weihnachten seit vielen Jahren. Auch sie sind tief beeindruckt von dem, was sie in Moldawien erleben.


Wir besuchen eine Familie, die Geschenke aus der Aktion 2 x Weihnachten erhält. Mir fallen die vielen Kinder auf. Als ich mich erkundige, erklärt die Gastgeberin, dass nur drei ihre eigenen sind. Die anderen gehören der Schwester, die im Ausland arbeitet.


Im nächsten Haus, das wir besuchen, ist es die Grossmutter die auf zahlreiche Enkel aufpasst, deren Eltern weg sind. Ich frage eines der Mädchen, wann es seine Mutter und seinen Vater zum letzten Mal sah: „Vor zwei Jahren“, antwortet es. Sämtliche Familien, die wir besuchen, sind extrem dankbar für die Geschenke aus 2x Weihnachten. Nudeln, Spielsachen, Seifen – alles können sie brauchen.


In Larga, im Norden des Landes, besuchen wir ein Kinderheim. Hier leben 25 Kinder aus besonders schwierigen Verhältnissen. Die Heimleiterin bemüht sich rührend - aber es fehlt an so vielem. Vor allem um Hygieneartikel ist sie froh. Es sei nicht leicht, mit nur einem Badezimmer die Kinder sauber zu halten.


Natürlich werden auch Spielsachen, Schreibzeug und Esswaren dankbar entgegengenommen.


Der Besuch im Kinderheim geht uns allen sehr nahe. Zurück in der Schweiz entscheidet die Allianz, dass sie das Kinderheim mit einem namhaften Betrag unterstützen will. Vielleicht reicht das für ein zweites Badezimmer oder die Renovation der veralteten Küche. Herzlichen Dank.

Wanda Arnet, SRK

2xWeihnachten 2010/2011: Was geschah mit den Spenden?
Josef Reinhardt, Leiter der Aktion 2xWeihnachten beim SRK, gibt hier einen Einblick über die Verwendung der Spenden und Spendengelder:

"Die Aktion 2xWeihnachten 2010/2011 generierte die gewaltige Menge von 72‘000 Pakete im Gesamtgewicht von 402'691 kg. In der Schweiz wurden durch unsere Kantonalverbände 253'366 kg verteilt, 149'325 kg. gingen ins Ausland: Weissrussland erhielt 82'133 kg., nach Moldawien gingen 35'019 kg., nach Bosnien und Herzegowina 23'388 kg. und 8'785 kg. gingen in andere Länder.
Um diese gewaltige Spendenflut zu bearbeiten, haben insgesamt 993 Personen während 10'660 Stunden für das Projekt unentgeltlich gearbeitet und dadurch überhaupt die Aktion möglich gemacht."


Die Aktion 2 x Weihnachten läuft dieses Jahr vom 24. Dezember 2011 bis 7. Januar 2012. In dieser Zeit nimmt die Post gratis Pakete entgegen. Hier erfahren Sie, welche Artikel besonders gefragt sind. Sie werden auch online ein Paket spenden können, und zwar sicher und einfach auf 2xWeihnachten.ch. Es gibt ausserdem eine Facebook-Seite, auf der Sie regelmässig über den Stand der Aktion informiert werden. Werden Sie noch heute Fan!

Das SRK in Moldawien

Mittwoch, 19. Oktober 2011

Splügen: Menschlichkeit machte Schule

Julia Zurfluh, Mitarbeiterin des Kompetenzzentrums Jugend SRK, besuchte im Rahmen des Projekts „positive action – Menschlichkeit macht Schule“ die Oberstufe in Splügen/GR. An einem Nachmittag stellte sie den Schülerinnen und Schüler das Rote Kreuz vor.

Nach einer Reise mit Zug und Postauto über Stock und Stein wurde ich herzlich im kleinen Schulzimmer in Splügen empfangen. Ziel dieses Nachmittages: die Oberstufe Splügen ins Rote Kreuz einführen. Und sofort ging’s los. Alle Schülerinnen und Schüler bekamen von mir einige rote Teilchen. Daraus sollten sie etwas formen, was mit dem Thema meines Schulbesuches zu tun hat. Ohne einen Hinweis zu geben, formten die Jugendlichen rote Halbmonde. Die Klasse behandelte nämlich in der vorangehenden Stunde bereits die Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung und ist top informiert. Oder hätten Sie sich erinnert, dass in Persien für eine zeitlang ein roter Löwe als Rotkreuz-Zeichen diente? Ein Schüler wusste es!

Was könnte das wohl für eine Rotkreuz-Aktivität sein?

Sich in Henry Dunant versetzen
Die Klasse verfolgte den Film im Comic-Stil über die Schlacht von Solferino und die Entstehung des Roten Kreuzes aufmerksam. Henry Dunants Engagement beeindruckte sie sehr. Beim anschliessenden Rollenspiel mussten sie sich in Henry Dunant versetzten – und befolgten unbewusst die Regeln des humanitären Völkerrechts.

Ein „Verletzter“ kommt sicher im Spital an

Bei einer gespielten Schlachtszene mussten die Soldaten Verwundete ins Spital bringen. Ein paar Rotkreuz-Beobachter kontrollierten den Ablauf. Alle „Verletzte“ kamen im Spital an, egal ob Feind oder von der eigenen Armee, in der Reihenfolge der medizinischen Dringlichkeit. Die Klasse hat das humanitäre Völkerrecht begriffen.

Gemischtwarenladen Rotes Kreuz
Doch was macht eigentlich das Rote Kreuz? Die Entstehungsgeschichte und das humanitäre Völkerrecht kennen die Jugendliche ja nun. Jetzt war es an der Zeit, auch über die konkreten Aktivitäten des Roten Kreuzes im In- und Ausland zu sprechen. Ich legte einige Fotos auf den Boden. Jede Schülerin und jeder Schüler durfte sich eines auswählen. Anschliessend erzählte jeder einzelne, weshalb dieses Bild ausgewählt wurde und um welche Rotkreuz-Aktivität es sich handelt. Die Aufgabe leisteten sie meisterhaft. Die Klasse wurde sich über die Bandbreite der Rotkreuz-Einsätze bewusst.

Erklärung für mehr Menschlichkeit
In der Stunde zuvor haben die Schülerinnen und Schüler eine „Erklärung für mehr Menschlichkeit“ aufgestellt. Jeder einzelne hat sich überlegt, was er oder sie zu einer menschlicheren Welt beitragen kann und es ausgeschrieben. Ich bin überzeugt, dass die Jugendlichen ihre Versprechungen einhalten werden! In Splügen hat Menschlichkeit wirklich Schule gemacht.


Mehr zum SRK-Schulprojekt „positive action – Menschlichkeit macht Schule“ auf www.redcross.ch/schule .

Mittwoch, 12. Oktober 2011

Statt Herbstferien Cholera-Einsatz in Tschad

Sabine Hediger verbringt drei Wochen im zentralafrikanischen Tschad, wo im September die Cholera ausgebrochen ist. Dort ist die SRK-Hebamme auch als Dolmetscherin gefragt.


Der Zufall wollte es, dass die Anfrage des SRK bei Sabine Hediger für den Einsatz in Tschad zu jenem Zeitpunkt eintraf, als für ihre vier schulpflichtigen Kinder Herbstferien angesagt waren. Deshalb konnte sie ihnen und ihrem Mann im luzernischen Oberkirch besser zumuten, während drei Wochen alleine auszukommen. Im Umgang mit einer Choleraepidemie hat die Hebamme Erfahrung, denn bereits Anfang dieses Jahres wirkte sie für einige Wochen in der SRK-Choleraklinik in Haiti.

Sabine Hediger vor dem Zeltlager in Mongo

Während sie in Haiti die Cholerakranken pflegte, sieht ihr Arbeitsalltag in der Region Mongo in Tschad etwas anders aus, wie uns die Hebamme am Telefon schildert: „In dem vom Roten Kreuz eingerichteten Feldspital in der Stadt Mongo gibt es genügend tschadisches Pflegepersonal. Ich konzentriere mich auf die Aufklärung und Ausbildung, um dadurch eine langfristige Wirkung zu erreichen“, sagt Sabine Hediger.

Beim Desinfizieren

Bereits haben 30 Freiwillige „ihren“ Kurs über Hygiene besucht, und sie freut sich über die Motivation der Leute. „Unter den Freiwilligen hat es viele Lehrer, die nun ihr Wissen an die Menschen in den Quartieren und in den Schulen weitergeben. Sie demonstrieren beispielsweise bei Hausbesuchen, wie wichtig es ist, die Hände regelmässig zu waschen oder die Latrinen besser zu reinigen“.

Pflege eines cholerakranken Kindes

Die letzten Tage ihres Einsatzes wird sie in der Kleinstadt Bitkin verbringen, wo die Cholerafälle zugenommen haben und wo das Rote Kreuz ein Zelt als Krankenstation einrichtet.
Sabine Hediger ist vielseitig. So reichen die Fremdsprachenkenntnisse der Deutschschweizerin weit genug, um ihrer australischen Kollegin, die kein Französisch spricht, auch noch als Übersetzerin vom Französisch ins Englische zu dienen.

Bei einem cholerakranken Kind

Text: Karl Schuler, SRK; Fotos: International Federation of Red Cross and Red Crescent Societies/Julie GarlenqDas Ausland-Engagement des SRK