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Mittwoch, 28. Oktober 2009

„Als wir eintrafen, gab es leider kein Lebenszeichen mehr“

Hanns Polak, Indonesien-Verantwortlicher des SRK, erzählt von seinem Einsatz mit der Rettungskette Schweiz im Erdbebengebiet von Sumatra.


Die Rettungskette am Flughafen Zürich beim Einchecken

Mit über 100 Helfern, 18 REDOG-Rettungshunden und mehr als 20 Tonnen Hilfsgütern an Bord hob der Swiss-Sonderflug LX 910 am frühen Abend des 1. Oktober in Zürich-Kloten ab. Mit an Bord waren vom SRK ausser mir und den Leuten von der REDOG auch die Krankenschwester Petra Hürlimann.

Mit dabei: Ein Rettungshund der REDOG

Wir hatten uns innert Stunden zur Teilnahme an diesem ersten Einsatz des Swiss Rescue Teams seit sechs Jahren entschieden, um in Sumatra Nothilfe zu leisten. Dort hatte am Tag zuvor ein Erdbeben der Stärke 7.6 schwere Schäden verursacht. Auf Sumatra stiessen dann noch drei in Aceh tätige SRK-Mitarbeiter dazu.

40 Stunden nach dem Erdbeben trafen wir als erstes internationales Such- und Rettungsteam in Padang ein. Auf der Fahrt vom Flughafen in die Stadt waren auf den ersten Blick kaum Schäden wahrzunehmen. In der Grossstadt Padang konzentrierten sich die Zerstörungen auf einzelne Zonen.


Vor allem grosse mehrstöckige Bauten waren massiv betroffen.

Acht Tote geborgen

Unsere Arbeit begann unmittelbar nach der Ankunft: ein Basislager wurde beim Sportstadion aufgebaut, erste Helfer fuhren auf die bis dahin bekannten Schadenplätze um sich einen Überblick zu verschaffen.

Zahlreiche Häuser waren zerstört.

Bei einem vierstöckigen, teilweise eingestürzten Hotelkomplex berichteten Anwohner, sie hätten aus dem Innern des Gebäudes Hilferufe gehört. Es war zu gefährlich, um sofort im Gebäude mit der Suche zu beginnen. Als wir mit den Hunden eintrafen, gab es leider keine Lebenszeichen mehr. Insgesamt konnte wir von der Rettungskette während unseres Einsatzes acht Leichen bergen. Tote geortet haben wir viel mehr, doch aus Sicherheitsgrünen war die Bergung oft nicht möglich.

Während unsere Suche weiterging, beschloss die Führung der Rettungskette, die Situation der Menschen auf dem Land, 50 km nördlich der Stadt, abzuklären. Dort hatte das Zentrum des Erdbebens gelegen. Unserem Team bot sich ein Bild der kompletten Zerstörung: In einem der von uns besuchten Dörfer waren von 168 Häusern nur vier unbeschädigt. Die Menschen sassen ohne fremde Hilfe in den Trümmern und versuchten ihr Hab und Gut zu retten. Hier, wo kaum einer der vielen Reporter hinkam, zeigte sich das wahre Ausmass der Zerstörung.


Viele Dörfer müssen neu aufgebaut werden, die Brunnen sind zerstört und es fehlt das Notwenigste um die Familien zu versorgen.


Beim Aufrichten von Notunterkünften

Notunterkünfte für 1000 Familien

Parallel zu diesen Arbeiten stellte ich die Verbindung zum Indonesischen Roten Kreuz und zur internationalen Föderation sicher. In gemeinsamer Absprache wurden die Nothilfe und das mittelfristige Engagement koordiniert. Das SRK wird in den nächsten Monaten Notunterkünfte für 1000 Familien bereitstellen. Das Baumaterial dafür wird vorwiegend lokal eingekauft. Ein SRK-Mitarbeiter, der sonst im Aceh-Programm arbeitet, begleitet die Hilfe vor Ort.


Die "Kantine" der Schweizer Rettungskette

Nach sechs Tagen sind wir mit der Rettungskette in die Schweiz zurückgekehrt – erschöpft aber überzeugt davon, dass sich der Einsatz zugunsten der Erdbebenopfer gelohnt hat. Obwohl wir keine Opfer lebend bergen konnten, war der Einsatz ein Erfolg.

Text: Katharina Schindler, Fotos: Hanns Polak
Siehe auch: Sumatra: Unterkünfte aus Bambus und Palmenholz

1 Kommentar:

  1. Der letzte Satz verlangt weitere Erklärung: Ein "Erfolg" weil es uns gelungen ist, von den spektakulären Katastrophenbildern mit vielen Toten und Verletzen die Aufmerksamkeit auf die vielen Obdachlosen zu lenken, die abseits des Medieninteresses sind. Sie haben überlebt und bedürfen der Hilfe.

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