Entdecke die Heldin oder den Helden in Dir!

Mittwoch, 17. Februar 2010

Traumatisiert durch Folter oder Krieg



Anna Hirschi, Ärztin im Ambulatorium für Folter- und Kriegsopfer SRK, erzählt von ihrem Alltag mit traumatisierten Patienten.

„Wir hatten einen Patienten, der in seiner Heimat verfolgt und misshandelt wurde, da sein Vater politisch aktiv war. Sein Asylantrag in der Schweiz wurde zwei Mal abgelehnt und er lebte ohne Aufenthaltsbewilligung in unserem Land. Offizielle Stellen wie Spitäler und Arzte traute er sich trotz schlechtem Gesundheitszustand schon gar nicht aufzusuchen, da er in ständiger Angst lebte von der Polizei ausgeschafft zu werden. Erst als wir ihm absolute Anonymität zusicherten, liess er sich von einer afk-Ärztin behandeln.

Traumatisiert ist auch Fatima. Sie musste während dem Krieg in Bosnien ein Massaker erleben und zusehen, wie ihr Mann und ihre beiden Kinder in ihrem Beisein von Kugeln getroffen wurden und starben. Sie überlebte nur, weil sie sich tot stellte. Immer wieder tauchen diese Bilder in ihren Träumen auf. Ihre Trauer findet kein Ende.

Folgen solcher Ereignisse sind neben den körperlichen Schmerzen sehr häufig Depressionen und Angstzustände. Solche schrecklichen Erinnerungen gehen nicht vergessen, aber mit Gesprächs- und Körpertherapien versuchen wir, diesen traumatisierten Personen wieder ein lebenswertes Leben zu schenken. Dazu gehören bei uns im Team Sitzungen mit Psychologen, Psychotherapeutinnen und Ärzten.

Die Arbeit mit schwer traumatisierten Menschen ist sehr belastend. Es tut jedoch gut zu sehen, wie wir ihnen durch unsere Unterstützung eine gewisse Hilfe und Erleichterung bieten können.“

Schweizweit gibt es 4 solcher Ambulatorien; die Internet-Plattform www.torturevictims.ch/ bietet Betroffenen und Fachstellen Informationen rund ums Thema.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen