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Freitag, 2. Juli 2010

Haiti: Spatenstich in der Cité Soleil

Der salzige Geschmack in der Luft lässt erahnen, dass das Meer nicht weit entfernt ist. Cité Soleil. Der schöne Name trügt. Es ist der Name der grössten Slumsiedlung von Port-au-Prince mit elenden Existenzbedingungen, berüchtigten Gangs und der Kreativität seiner Bewohner als grösstes Kapital zum Überleben.



Dank dem sandigen Boden hat das Erdbeben hier zwar weniger starke Zerstörungen angerichtet als in anderen Teilen der Stadt. Trotzdem leben 900 obdachlose Familien in einem Zeltcamp. „In den ersten Monaten waren es noch über 1‘400 Familien, aber da wir Werkzeug verteilten, konnten viele wieder ihr beschädigtes Haus reparieren und zurückkehren“, sagt Pascal Panosetti von der Internationalen Föderation der Rotkreuzgesellschaften. Er ist zusammen mit dem einheimischen Bauleitere Pierre Marie Gérard zuständig für die Erstellung der 300 Wohnhäuser, mit der am Montag früh gestartet wurde.



Eine Pionierleistung, handelt es sich doch um den allerersten Bauplatz, auf dem das Rote Kreuz im Grossraum Port-au-Prince solide Wohnhäuser erstellt. Das Holz wurde aus den USA importiert, denn im völlig abgewaldeten Haiti ist dieser so wichtige Rohstoff der Natur weitgehend verschwunden.



12 Zimmerleute hämmern und sägen was das Zeug hält, um innerhalb von drei Tagen die ersten vier Häuser aufzurichten. Freiwillige des Haitianischen Roten Kreuzes sowie Vertreter des Komitees der Obdachlosen werden instruiert, damit sie sich am Bau der weiteren Häuser aktiv beteiligen. Der überdachte Raum pro Wohnhaus beträgt 18 Quadratmeter, was bei uns der Grösse eines Zimmers entspricht. Zusätzliche 30 Quadratmeter stehen zur freien Verfügung für den späteren sukzessiven Ausbau oder das Anlegen eines Gemüsegartens. Für je acht Wohnhäuser wird eine Wasserstelle und eine Latrine zur Verfügung stehen. Kein Luxus, aber eine entschieden bessere Wohnsituation als vor dem Erdbeben.

Da es letzte Nacht wieder stark geregnet hat, ist der Boden aufgeweicht. „Wir mussten zuerst Kies ausstreuen, um überhaupt arbeiten zu können“, sagt Pierre Marie Gérard. Es ist wohl nicht die letzte Überraschung, die ihn während der sechsmonatigen Bauphase erwartet und seine haitianische Improvisationsgabe herausfordern wird.

Karl Schuler, Schweizerisches Rotes Kreuz

Das SRK in Haiti

Kommentare:

  1. Bravo! Jede Hilfe und Hilfe zur Selbsthilfe ist nötig! Doch hält eine solche Holzkonstruktion den drohenden Hurricanes und allenfalls Überschwemmungen stand?

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  2. Jede Hilfe und Hilfe zur Selbsthilfe zählt! Nur: Halten diese Holzkonstruktionen kommenden Hurricanes und drohenden Überschwemmungen stand?

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  3. Die Stahlträger und das AluminiumDach sind sehr solid. Bei den Wänden handelt es sich um so genanntes Playwood-Holz, zusammengesetzte Laminate, die relativ stabil sind.
    Karl Schuler, SRK

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