Entdecke die Heldin oder den Helden in Dir!

Mittwoch, 27. Oktober 2010

Pakistan: Zum Tee im Vertriebenen-Camp

Es gibt Begegnungen, die man nicht so schnell vergisst. Wie jene mit Samlo Khan, seiner Frau Bashira und ihren vier Kindern. Ihre Adresse: Hatri, Camp für Vertriebene, eine Stunde nördlich von Hayderabad im Süden Pakistans. Samlo Khan war landloser Arbeiter bei einem Grossgrundbesitzer. In Pakistan werden sie Haris genannt. Der 44-Jährige brachte Anfang August seine Familie vor den Fluten in Sicherheit.


Bashira mit zwei ihrer Kinder

Zwei Monate danach sitzen wir in der späten Nachmittagssonne vor dem Zelt auf dem breiten Bett, das zusammen mit einem Schrank aus Holz und Blech vor dem Wasser gerettet werden konnte. Bashira bereitet auf offenem Feuer den Tee zu. Walid, der 6-jährige Zweitjüngste, hat sich ebenfalls zu uns gesetzt. Samlo Khan bedankt sich zunächst für die Hilfe des Roten Kreuzes. Wie die übrigen 120 Familien des Camps erhielt er für seine Familie ein Zelt und Decken. Und alle zwei Wochen 20 Kilo Linsen, Reis, Speiseöl, Salz, Zucker und Tee.


Der Schrank, der vor den Fluten gerettet werden konnte.

„Als sich Anfang August unser Wohnhaus aus Lehm wie Zucker im Wasser auflöste, mussten wir über Nacht die Flucht ergreifen. Zusammen mit unseren Nachbarn mieteten wir einen Lastwagen“, erzählt Samlo Khan. Für die 150 Kilometer lange Fahrt in das Rotkreuzlager in Hatri haben sie die gesamten Ersparnisse aufgebraucht. 30‘000 Rupien oder etwas mehr als 400 Franken für vier Familien.

Kürzlich habe jemand den Bescheid aus ihrem Dorf in der Gegend von Dudu in der Sindh-Provinz gebracht, das Wasser sei noch immer nicht ganz abgeflossen. So werden sie auch die nächsten Wochen im sicheren Lager verbringen. Die Helfer des lokalen Roten Halbmondes lassen sie nicht im Stich und versorgen sie weiterhin mit Nahrungsrationen.

Voraussichtlich im Januar werden meine freundlichen Gastgeber mit ihren Nachbarn in ihr trockenes Dorf zurückkehren können. Das breite Bett und der Schrank aus Holz und Blech werden dann wieder mit gezügelt. Die Transportkosten für die Rückreise übernimmt das SRK, auch einen Nahrungsvorrat für die ersten Wochen werden sie mit auf den ungewissen Weg nehmen. Als uns Bashira den Tee serviert, taucht die Sonne am nahen Horizont die kahle Hügellandschaft in ein dunkelrotes Licht. Beim Abschied spüre ich einen Knoten im Hals.


Samlo Khan mit dem 6-jährigen Wahid

AKTUELL: Unsere Hilfe in Pakistan geht weiter...

Karl Schuler, beim SRK für die Kommunikation der Internationalen Zusammenarbeit verantwortlich, berichtet von seinen Eindrücken in Pakistan.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen