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Dienstag, 14. Dezember 2010

Haiti: „Für morgen erwarten wir einen Ansturm“

Der SRK-Arzt Martin Weber berichtet aus der Cholera-Klinik im haitianischen Grand-Goâve; Karl Schuler, SRK, hat das Telefongespräch mit ihm aufgezeichnet.


Martin Weber in der Cholera-Klinik in Grand-Goâve. Foto: SRK

Gestern und heute hat es hier stark geregnet. Da sind die sonst schon schlechten Strassen vielerorts nicht mehr passierbar, weshalb viele Kranke den Weg in unsere Cholera-Station nicht mehr schaffen. Da die Wetteraussichten für morgen besser sind, erwarten wir deshalb eine neue Welle von Patienten aus den abgelegenen Dörfern. Denn viele Kranke schleppen sich zu Fuss hierher, da sich viele Kleinbusfahrer weigern, Cholerakranke zu transportieren. Ich vermute deshalb, dass es eine hohe Dunkelziffer von Cholerakranken gibt.

Den heute etwas ruhigeren Tag nutze ich vor allem dazu, die drei lokalen Ärzte und 16 Krankenschwestern mit den für die Cholerabehandlung wichtigsten Regeln besser vertraut zu machen. Denn da diese bakterielle Erkrankung in Haiti noch nie vorkam, ist das medizinische Personal nicht damit vertraut.

Besonders wichtig ist eine permanente Beobachtung der Kranken, denn vor allem Kinder und Jugendliche sind bei akutem Durchfall sehr schnell lebensgefährlich bedroht. Sie müssen intensiv behandelt und mit einer Salz-Wasserlösung versorgt werden. Da die Patienten unter starkem Durchfall leiden, ist die Pflege und Reinigung anspruchsvoll. Viele von ihnen leiden zusätzlich an Tuberkulose oder anderen Krankheiten, was die Behandlung kompliziert.

In unseren drei Zelten behandeln wir gegenwärtig 36 Patientinnen und Patienten. In den nächsten 24 Stunden bereiten wir uns intensiv auf den möglichen Ansturm zusätzlicher Cholerakranken vor.

>>Neue Katastrophe in Haiti

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