Montag, 22. Februar 2010

Als Hebamme im Einsatz in Haiti, 21.Januar – 15. Februar 2010

Eindrücke von Marlies Vincenz, Hebamme SRK

Donnerstag 21.1.2010 Flug nach Berlin, 16.oo Uhr Besprechung mit den Delegierten des DRK.
Nachts 02.00 Uhr Abflug ab Berlin Tegel mit der Finnair nach Santo Domingo.
Kurz vor der Landung in Santo Domingo sind wir nach Port au Prince durchgestartet, Landeerlaubnis kam in letzter Minute.

Heisse staubige Luft schlägt uns in Port au Prince entgegen. Wir müssen das Flugzeug selbst entladen. Amerikanische Soldaten helfen uns mit Gabelstaplern, die Container aus dem Flugzeug zu bringen. Wir bilden Ketten und bringen alles Material auf das Areal des Flugplatzes in Port au Prince. Noch ist unklar wie es weitergeht.




Eindrücke auf dem Weg durch die Stadt Port au Prince

Provisorische Notunterkünfte der Erdbebenopfer

Die Zerstörung ins enorm und nimmt kein Ende.


Nach drei Tagen bekommen wir einen Eimer Wasser für alle zum duschen. Pro Kopf dürfen wir 2 Liter Wasser zum Duschen verbrauchen…

26.01.2010 Ankunft in Carrefour, Football Stadion, wo das Feldspital erstellt wird


Schnell werden die Zelte aufgestellt..


dann beginnt die Arbeit


Erste Geburt im Field Hospital ist ein Kaiserschnitt.


Weitere Geburten folgen Tag und Nacht…





Alles ist nur provisorisch eingerichtet, doch die Frauen gebären trotzdem.

Wir arbeiten alle bis zum umfallen… Das „hauseigene Lazarett“ für die Delegierten.


Doch die Arbeit im Field Hospital geht weiter.

Versorgung unterernährter Kinder


Dringende Notoperationen


Transport von Verletzten


Erste Gehversuche


Ärztliche Versorgung nach vielen Tagen der Entbehrung…

Der Höhepunkt ist eine Zwillingsgeburt in der Nacht, von der niemand vorher wusste, dass es Zwillinge geben würde… Beide Mädchen wurden spontan geboren, eines davon in Steisslage. Ohne Schnitt, ohne Riss und ohne Gynäkologin. Die Hebamme ist mächtig stolz!


Die beiden Zwillingsmädchen Christine und Christelle…


Das Field Hospital im Fussballstadion von Carrefour

Rückflug von Port au Prince am 14.02.2010 nach Santo Domingo. Von dort weiter über Madrid nach Zürich. Zürich Schneefall, minus 10 Grad! Unsere Welt hat mich wieder eingeholt.



Es war eine anstrengende, harte und schwere Zeit. Doch die positiven Eindrücke überwiegen. Ich wünsche dem nächsten Team, dem Field Hospital und allen Haitianern „bonne Chance“

Marlies Vincenz, Hebamme SRK
Vella, Februar 2010

Mittwoch, 17. Februar 2010

Traumatisiert durch Folter oder Krieg



Anna Hirschi, Ärztin im Ambulatorium für Folter- und Kriegsopfer SRK, erzählt von ihrem Alltag mit traumatisierten Patienten.

„Wir hatten einen Patienten, der in seiner Heimat verfolgt und misshandelt wurde, da sein Vater politisch aktiv war. Sein Asylantrag in der Schweiz wurde zwei Mal abgelehnt und er lebte ohne Aufenthaltsbewilligung in unserem Land. Offizielle Stellen wie Spitäler und Arzte traute er sich trotz schlechtem Gesundheitszustand schon gar nicht aufzusuchen, da er in ständiger Angst lebte von der Polizei ausgeschafft zu werden. Erst als wir ihm absolute Anonymität zusicherten, liess er sich von einer afk-Ärztin behandeln.

Traumatisiert ist auch Fatima. Sie musste während dem Krieg in Bosnien ein Massaker erleben und zusehen, wie ihr Mann und ihre beiden Kinder in ihrem Beisein von Kugeln getroffen wurden und starben. Sie überlebte nur, weil sie sich tot stellte. Immer wieder tauchen diese Bilder in ihren Träumen auf. Ihre Trauer findet kein Ende.

Folgen solcher Ereignisse sind neben den körperlichen Schmerzen sehr häufig Depressionen und Angstzustände. Solche schrecklichen Erinnerungen gehen nicht vergessen, aber mit Gesprächs- und Körpertherapien versuchen wir, diesen traumatisierten Personen wieder ein lebenswertes Leben zu schenken. Dazu gehören bei uns im Team Sitzungen mit Psychologen, Psychotherapeutinnen und Ärzten.

Die Arbeit mit schwer traumatisierten Menschen ist sehr belastend. Es tut jedoch gut zu sehen, wie wir ihnen durch unsere Unterstützung eine gewisse Hilfe und Erleichterung bieten können.“

Schweizweit gibt es 4 solcher Ambulatorien; die Internet-Plattform www.torturevictims.ch/ bietet Betroffenen und Fachstellen Informationen rund ums Thema.