Montag, 12. April 2010

Eindrücke vom Nothelfer-Einsatz in Haiti

Markus Stämpfli war drei Wochen als Nothelfer für das SRK in Haiti. Markus ist Leiter Controlling des Nationalen Sekretariats der Rotkreuz-Kantonalverbände. Sein Kurzbericht.

Zelte statt Zahlen
Vor gut einem Jahr hat die Internationale Zusammenarbeit des SRK Leute für ihr Logistikteam für Nothilfe-Einsätze ERU gesucht. Meine Bewerbung wurde akzeptiert und ich absolvierte das erste "SRC log ERU Training" in Thun. Wie realistisch die Feldübung (3 Tage im Zelt auf der Allmend in Thun mit Armeegeräuschen von Panzern und Schiessplätzen im Hintergrund) war, kann ich nach einem 3 wöchigen Einsatz in Haiti nun nachvollziehen. Oft dachte ich im heissen Haiti an die Minustemperaturen im Zelt bei der Übung in Thun, wo leider die Heizung in meinem Zelt ausgefallen war, und ich sehnte mich ein bisschen nach Kühlung. Statt Zahlen waren plötzlich Zelte zu „beigen“.

Weshalb wir da sind
Schwer zu verdauen war die erste Einführung in Port-au-Prince durch unseren Teamleader Roland-Daniel. Hier Bilder die mehr sagen als ich beschreiben kann:





Was ich getan habe
Mir wurde eines der Lagerhäuser in Port-au-Prince anvertraut. Im Batimat Warehouse wurden vor allem Zelte und Holz für Notunterkünfte eingelagert und gemäss den Angaben der Verantwortlichen von Relief (Güterverteilung) an die gewünschten Verteilungsorte transportiert. Nicht schlecht gestaunt habe ich, was alles noch fahren kann und wie hart die Arbeiter im Warehouse ran mussten, um die eintreffenden Lastwagen abzuladen und jene für die Feinverteilung zu beladen.

Hier ein paar Bilder von ankommenden Lastwagen und der Handarbeit für die vorübergehende Einlagerung der Zelte. Es ist ja ein wesentliches Ziel des Einsatzes vor Ort, zu gewährleisten, dass die gespendeten Güter am richtigen Ort ankommen. Die Spender sollen am Schluss wissen, was mit ihrer Spende geschehen ist.

Auf dem Lastwagen unten sind Zelte geladen, ähnlich jenen, die auf den Bildern darunter aufgestapelt werden. Ein Sack mit einem Familien-Zelt wiegt zwischen 50 und 60 Kg. Da weiss man am Abend, was man gearbeitet hat.... Es gab Tage, wo über 60 Tonnen Material verschoben wurde.










Auch der Präsident braucht ein Zelt als Büro
Ein Sondereinsatz für den Präsidenten. Auch er braucht ein Zelt als Büro. Hinter dem Palais national habe ich mit meinen Jungs SRK-Office Zelte aufgestellt.



Ein Blick auf das Verwaltungsgebäude zeigt, dass ein Zelt hier kein Luxus darstellt.




Yes we camp
Das Base Camp. Dank an die super feine Organisation des Dänischen Roten Kreuzes inklusive ausgezeichnetem Essen.





Hier noch ein Blick in unser Büro, wo manchmal 5 bis 6 Personen gearbeitet haben. Fast unvorstellbar?



Ferien in Haiti?
Why not – zu einem anderen Zeitpunkt? Wunderschöne Strände gibt es auch...



Es war anstrengend und viele Eindrücke bleiben noch zu verdauen. Dank an alle die mit mir dort gearbeitet haben und mir hier meine Abwesenheit ermöglicht haben.

Bern, 11.04.2010, Markus Stämpfli

Das SRK in Haiti

Donnerstag, 1. April 2010

Für Erdbebenopfer in Haiti sensibilisieren: Ein SRK-Logistiker auf Schulbesuch

Carlos Ortega war als Logistiker für das SRK in Haiti. Bei der Klasse 7a im Spitalackerschulhaus in Bern hat er am 31. März von seinen Erfahrungen im Erdbebengebiet erzählt. Hier sein Bericht:

Herr Stauffer, der Klassenlehrer begrüsst mich mit den Worten: "Meine Klasse hat auf eigene Initiative hin 500.—für Haiti gesammelt und lässt sie dem SRK zukommen." Ich habe 45 Minuten Zeit.

Wie immer habe ich Lampenfieber und frage Herrn Stauffer wie alt die SchülerInnen sind, ob sie Deutsch verstehen und ob sie wohl Fragen stellen werden.

Wo liegt Haiti? In der Karibik, ganz in der Nähe von Kuba, grenzt an die Dominikanische Republik und ist eines der ärmsten Länder der Welt. Was macht das SRK in der Schweiz? Spenden sammeln. Die 13-jährigen Jungs und Mädels beantworten meine Fragen wie aus dem Kanonenrohr. Bin beeindruckt.

Die traurigen Bilder des zerstörten Präsidentenpalastes, der notleidenden haitianischen Bevölkerung, des Feldspitals in Carrefour und der diversen SRK-Hilfsgüter verschlagen den Kids die Sprache nicht, sondern lösen ein Unmenge von Fragen aus: Wurden Sie überfallen? Haben Sie bewaffnete Kinder gesehen? Mussten im Spital wirklich Körperglieder amputiert werden? Was bedeutet der rote Halbmond neben dem roten Kreuz? Warum verteilen Sie Zahnbürsten, wenn die Bevölkerung nichts mehr zu essen hat?

Wow, diese Kids kennen ja mehr als nur Playstation und Facebook. Möchte am liebsten den ganzen Morgen da bleiben und ihnen noch andere Geschichten erzählen.

Was denn die wichtigste Voraussetzung sei, um bei so einem Einsatz dabei zu sein? Die Sprachkenntnisse. José antwortet: “Sehr gut, porque yo hablo Español!“

Es läutet, die SchülerInnen bedanken sich herzlich und übergeben mir noch einen Schoggihasen. Jetzt geht’s ab in die Turnstunde.

Carlos H. Ortega, Logistiker SRK


Die Klasse 7a des Berner Spitalackerschulhauses


Der Freiwillige Joel Calazan Batista des Dominikanischen Roten Kreuzes organisiert Blachen auf dem Verteilposten in Magassa 14, Port-au-Prince. © Amerikanisches Rotes Kreuz/Talia Frenkel


Krankenschwester Sarah Bon vom SRK versorgt einen kleinen, verletzten Jungen in der Basis-Gesundheits-Klinik (BHC-Klinik) des Deutschen Roten Kreuzes in Port-au-Prince. © SRK