Donnerstag, 27. Mai 2010

Spitalalltag in Haiti:
Notfälle noch und noch

Die Krankenschwester Jeannette de Vries berichtet aus Carrefour/Haiti, wo sie im Rotkreuz-Feldspital im Einsatz steht.

Seit vier Wochen bin ich jetzt schon in Haiti, die Zeit vergeht schnell. Wir sind im Feldspital noch immer sehr beschäftigt. Das Deutsche Rote Kreuz, das die Federführung hat, will die Präsenz des ausländischen Gesundheitspersonals stark reduzieren. Unsere Aufgabe ist es nun, die lokalen Mitarbeitenden zu supervisieren und nur wenn nötig einzugreifen.




Das ist nicht immer einfach, vor allem im ambulanten Dienst nicht, wenn wir Notfall um Notfall bekommen, wie am letzten Sonntag: Zuerst wurden drei bewusstlose Kinder unter drei Jahren nacheinander eingeliefert. Zwei hatten Meningitis, eins eine Lungenentzündung. Unterdessen konnten wir eines der Kinder wieder entlassen, weitgehend gesund.

Letzte Nacht war ich bis um zwei Uhr am Reanimieren. Leider werden viele erst ins Spital gebracht, wenn es zu spät ist. Auch dieses Mal wieder: eine junge Frau von 23 Jahren.

Am Morgen um acht Uhr hatten wir wieder zwei Kinder-Notfälle zur gleichen Zeit. Ein Kind hatte Rattengift zu sich genommen und war nur noch am Erbrechen. Das Zweite war so dehydriert, dass es von seiner Mutter bewusstlos hereingetragen wurde. Wir waren so beschäftigt mit diesen zwei Kindern - Magenspülung, Infusionen, Medikamente verabreichen etc. - dass wir danach alle tropfnass waren und die Kleider wechseln mussten.

Am Nachmittag gab’s am Strand eine Schlägerei und die Polizei brachte vier Männer, die durch kaputte Glasflaschen verletzt waren. Drei Ärzte nähten die Wunden, dazwischen kamen die normalen, alltäglichen Konsultationen.

Die Tage sind hier ausgefüllt mit Arbeit und wir begegnen so vielen schlimmen medizinischen Notfall-Situationen, wie wir sie bis jetzt in unserem ganzen Leben nicht sahen. Jetzt habe ich nur noch gut eine Woche vor mir, das Ende meines Einsatzes in Haiti naht. Bis dahin sende ich 41 Grad warme Grüsse!

Das SRK in Haiti

Freitag, 21. Mai 2010

„2 x Weihnachten“-Geschenkeverteilung in Weissrussland

Durch die Aktion „2 x Weihnachten“ kommen Schweizer Geschenke - Schokolade, Lebensmittel oder Wolldecken - der ärmsten Bevölkerung in Osteuropa zugute.

Wanda Arnet, beim SRK zuständig für die Betreuung von Wirtschaftspartnern, begleitete die Reise nach Weissrussland zur Geschenke-Verteilung.

12. Mai: Abflug nach Minsk

Die Sicht auf die Abflugtafel am Morgen lässt uns alle schlagartig wach werden: Der einzige annullierte Flug ist der nach Frankfurt. Von dort wollten wir weiter nach Minsk fliegen. Lange Gesichter, denn es gibt sehr wenige Flüge nach Weissrussland. Ob wir wohl noch gleichen Tag ankommen werden?

Mit mehrstündiger Verspätung schaffen wir es dann doch noch. Am Flughafen von Minsk erwartet uns ein herzlicher Empfang des Weissrussischen Roten Kreuzes.


Rechts auf dem Bild: Svetlana Tuckach, unsere Reisebegleiterin und Übersetzerin

13. Mai: District Gomel / Svetlagorsk

Unser erster Besuch führt uns nach Svetlagorsk im Distrikt Gomel, 3 Autostunden von Minsk entfernt. Hier werden wir im „Kinder-Sozialzentrum“ empfangen. Das Zentrum betreut Kinder mit körperlichen und psychischen Beschwerden im Alter von 3 bis 15 Jahren.

Beim Gang durchs Heim fallen mir die vielen Blumen überall auf. Mit wenigen Mitteln wird so eine recht heimelige Atmosphäre geschaffen. Grosse Freude herrscht, als wir die von Schweizern gespendeten Spielsachen verteilen. Hier ein kurzes Video von der Verteilung im Heim.





Am Nachmittag geht unsere Reise im Distrikt Gomel weiter. Die Region leidet noch heute unter den Auswirkungen von Tschernobyl. Die Bilder zeigen Menschen, die Geschenke der Aktion 2 x Weihnachten empfangen - es sind besonders kinderreiche Familien und allein stehende Betagte, die keine staatliche Hilfe erhalten und in prekären Verhältnissen leben.



Freitag 14. Mai: Besuch des Roten Kreuz in Minsk

Auf einer Zweigniederlassung können sich Hilfesuchende als Geschenke-Empfänger registrieren lassen. Es sind meist alleinerziehende Mütter oder Familien mit mehreren Kindern – selbst mehr als 10 Kinder sind hier keine Ausnahme.


In dieser Zweigniederlassung arbeiten 20 Freiwillige für das Weissrussische Rote Kreuz.


Ein Wohnhaus von Begünstigten


Die gespendeten Lebensmittel rufen viel Freude hervor.

Samstag, 15.Mai

Nach einem kurzen Rundgang durch Minsk verlassen wir Weissrussland wieder Richtung Schweiz.


Strassenszene in Minsk

Aktion „2 x Weihnachten

An der letztjährigen Aktion konnte das SRK 72'000 gespendete Pakete entgegennehmen - ein Rekordergebnis.

Die Schweizerische Post, seit Anfang von „2 x Weihnachten“ mit bei der Trägerschaft, hat die Reise nach Weissrussland begleitet. Ebenfalls dabei war Allianz Suisse, offizieller Partner des SRK und das erste Mal Sponsor von 2 x Weihnachten.

Das SRK betreut in Weissrussland mehrere Tausend Obdachlose, kinderreiche Familien und allein stehende Betagte, die keine staatliche Hilfe erhalten und in prekären Verhältnissen leben. Sie erhalten Nahrungsmittel, Pflegeartikel und Kleider, damit sie im Winter versorgt sind.

Text, Film und Fotos: Wanda Arnet, SRK

Montag, 17. Mai 2010

Bangladesch: Unterwegs nach Rajshahi

Wie in meinem letzten Blogpost angekündigt, bin ich also von Dakka nach Rajshahi gereist, wo ich die meiste Zeit verbringen werde. Ich muss sagen, es war ein aufregende Reise durch wunderschöne Landschaften. Aber auch auf Autounfälle stiessen wir und auf Polizeikontrollen.



Unser Fahrer Sukur, der seit vielen Jahren für das Schweizerische Rote Kreuz arbeitet, wurde auf halbem Weg nach Rajshahi plötzlich gestoppt. Der Grund: überhöhte Geschwindigkeit. Sukur konnte es kaum glauben. War er wirklich mehr als die erlaubten 80 Stundenkilometer gefahren? Noch nie in seiner langen Karriere beim SRK war er wegen zu schnellen Fahrens gebüsst worden!

Dies löste im Auto eine angeregte Diskussion aus zwischen Afred (dem Programmkoordinator), Helmut (dem SRK-Delegierten) und mir über Sinn und Unsinn von Geschwindigkeitskontrollen, solange niemand den teils katastrophalen Zustand der Fahrzeuge oder das oft verantwortungslose Fahrverhalten kontrolliert...

Später kamen wir auf unsere Arbeit zu sprechen. Alex erklärte mir mit leiser Ironie, in Bangladesch gebe es zwei Kriterien, um ein Programm umzusetzen: Entweder etwas ist „dringend, aber nicht wichtig“, oder es ist „wichtig, aber nicht dringend.“ Nun, ich war etwas verwirrt und schlug vor, man könnte neue Begriffe schaffen, wie: dringliche Wichtigkeit oder wichtige Dringlichkeit…

Während der Fahrt sahen wir ausreichend Beispiele für dringenden und wichtigen Handlungsbedarf, wie das Foto der Mutter mit dem kranken Kind am Strassenrand zeigt, oder jenes mit der Abfallentsorgung.





Übrigens: Um seine Busse zu begleichen musste sich Sukur acht Stunden lang mit der Bürokratie herumschlagen. Schliesslich musste 500 Thaka bezahlen - rund sechs Schweizer Franken.

Cobie Visscher, Gesundheitsdelegierte SRK
Das SRK in Bangladesch

‚Schweizerkinder‘ – Ein Wiedersehen nach über 50 Jahren

Von 1946 bis 1956 wurden über 181’000 europäische Kinder kriegsverwüsteter Länder für einen Aufenthalt von drei Monaten in die Schweiz eingeladen. Noch heute unterstützt der Suchdienst SRK ehemalige «Kriegskinder» und ihre Gastfamilien dabei, sich wieder zu finden oder Informationen über den damaligen Aufenthalt zu erhalten.

Für ein Wiedersehen nach über 50 Jahren sind einige ‚Schweizerkinder' zur Sonderausstellung ‚Kinderzüge in die Schweiz‘ im Dunant-Museum Heiden angereist. Nicole Windlin, Leiterin Suchdienst SRK, erzählt von ihrem Treffen mit ihnen.


Ich war ein wenig aufgeregt, als ich in Richtung Dunant-Museum ging. Während 2 Jahren hatte ich regelmässig Kontakt mit den Schweizerkindern aus Österreich, Deutschland und Frankreich, um ihre Gastfamilien in der Schweiz zu suchen. Und nun sollte ich sie endlich mal live treffen. Diese Kinder, welche damals nach dem Krieg, unterernährt, während 3 Monaten ein Heim bei einer Schweizer Familie fanden. Der Aufenthalt hat die ehemaligen Kinder stark geprägt und motiviert, heute, über 50 Jahre später, mit Bussen und in Gruppen nach Heiden für die Eröffnung der Sonderausstellung zu kommen.



Schon von weitem ist der Österreicher Klub der Schweizer Kinder mit roten Hüten zu erkennen. Stolz tragen sie Duplikate der damaligen Erkennungskarten um den Hals und wandern in der Ausstellung über die Kinderzüge umher. Vor der Abreise posieren sie dann noch für ein Erinnerungsfoto und ich darf mit drauf.

Am selben Tag fand auch ein Wiedersehen statt zwischen Tante Hedy und Guido, einem jungen Mann aus dem Appenzell. Tante Hedy war damals bei der Urgrossmutter von Guido zu Gast. Hedy hält noch heute den Kontakt mit der Familie aufrecht und erinnert sich an genaue Details von damals.



Auch Guido hat das Wiedersehen beeindruckt, er erzählt in der Appenzeller Zeitung über sein Erlebnis.

Nach den vielen wunderbaren Zusammentreffen und angeregten Gesprächen und Fragen, machte ich mich mit dem Zug auf de Heimweg. Aber ich war nicht alleine. Wie damals die Kinder nach dem Krieg wurde auch ich von der damaligen Kinderhilfeverantwortlichen begleitet, von der über 80-jährigen Elsi Aellig. Während der Zugfahrt erzählte mir Frau Aellig von damals, als wäre es gestern gewesen. Im Nu kamen wir in Bern an und gingen zufrieden und bereichert nach Hause.



Erfahre mehr zur Sonderausstellung ‚Kinderzüge in die Schweiz‘ im Dunant- Museum in Heiden. Die Sonderausstellung läuft vom 23.4. – 15.11.2010.

Montag, 10. Mai 2010

Bangladesch: Ankunft im Grossstadtdschungel

Vor meiner Ausreise nach Bangladesch haben mich die Kommunikationsleute am Hauptsitz des SRK gebeten, regelmässig Texte für einen Blog zu schreiben – kleine Geschichten aus meinem Alltag als Gesundheitsdelegierte. Ich habe zugesagt – und dies ist meine erster Beitrag.

Doch zuerst muss ich mich vorstellen: Ich bin Cobie Visscher, 53-jährig, geboren in den Niederlanden. Cobie bedeutet in der lokalen Sprache von Bangladesch „Poet“ – nun, ich hoffe das ist ein gutes Omen, denn eigentlich bin ich keine grossartige Schreiberin.

Als Gesundheitsdelegierte des SRK werde ich vor allem (zu 70 Prozent) in Rasjhahi im Westen von Bangladesch, nahe der Grenze zu Indien arbeiten. 30 Prozent meiner Arbeitszeit sind zudem für die Hauptstadt Dakka vorgesehen, wo ich unsere lokale Partnerorganisation CAAP bei der Umsetzung des Aids-Programms unterstütze.

In den nächste Blogs werde ich mehr über meine konkrete Arbeit berichten.

Vorläufig besteht meine grösste Herausforderung darin, in dieser überbevölkerten, stickigen Grossstadt Dakka den Weg zu finden zu all den lokalen NGOs, mit denen wir zusammenarbeiten und zu den verschiedenen Rotkreuzbüros.



Jeden Tag frage ich mich: „Wie kann ein Mensch in dieser Stadt ein normales Leben führen?“ Die Strassen sind verstopft mit Menschen und Fahrzeugen, man weiss kaum, wie man sich von einem Ort zum andern fortbewegen soll.



Im Büro des Roten Halbmonds von Bangladesch hängt ein Papier an der Wand mit dem Slogan: „Gesundheit ist der Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens.“ Ich hoffe nur, dass auch die Menschen ausserhalb des Rothalbmond-Büros erfahren von diesem Papier erfahren und sich die Worte zu Herzen nehmen. Mir ist schon nach wenigen Tagen klar, dass es in diesem Land sehr viel für uns zu tun gibt!



Die Fotos habe ich auf meinem Weg durch den Grossstadtdschungel aufgenommen, aus dem fahrenden Auto, denn ich hatte kaum Gelegenheit, auszusteigen. Nun freue ich mich auf nächste Woche. Da werde ich nach Rasjhahi reisen – eine sechsstündige Autofahrt entfernt.

Cobie Visscher, Gesundheitsdelegierte SRK
Das SRK in Bangladesch