Montag, 30. August 2010

Aus dem Alltag des Suchdienst

Nicole Windlin, Leiterin Suchdienst SRK erzählt von einem Familienbesuch:

„Ich fahre an die nördliche Schweizer Grenze, nach Schwaderloch, dort lebt die Familie Kamberi. Da, wo viel Wasser den Rhein hinunter fliesst und alte Geschichten mit sich reisst. Für die Familie Kamberi ist jedoch seit zwölf Jahren eine Geschichte offen: Was ist mit ihrem Sohn Shkelzen passiert?



Der Junge verschwand in ihrem Dorf im Kosovo und kam nie mehr zurück. Die Familie geht davon aus, dass ihn die UCK zwangsrekrutiert hat. Was genau mit ihm passiert ist, das weiss sie bis heute nicht. Verzweifelt rennt der Vater damals von einer Behördenstelle zur anderen: Wo ist mein Sohn? Niemand gibt ihm Antwort, es wird ihm sogar zum Verhängnis, dass er überall fragt, er gilt als Verräter und muss mit seiner Familie das Land verlassen.

Der Vater und die Mutter erzählen die Geschichte, als wäre es gestern gewesen, sie können sich noch an alle Details erinnern. Ich frage sie, welche Kleider, welchen Schmuck Shkelzen am Tag seines Verschwindens anhatte. Hatte er als Kind Knochenbrüche erlitten? Angaben dieser Art werden Ante Mortem-Daten genannt, Vortodesdaten. Sie dienen zur Identifikation von Personen, die aus den Massengräbern exhumiert werden.




Ante Mortem-Daten

Jedes Detail ist wichtig und kann entscheidend sein. So über Shkelzen zu sprechen, schmerzt, denn immer noch hofft die Familie, dass er irgendwo am Leben ist. Falls er aber nicht mehr lebt, wünscht sie sich, dass zumindest seine sterblichen Überreste zur Familie zurückkommen können.

Nach fast drei Stunden Reden übergebe ich den am Gespräch beteiligten Familienangehörigen je eine Vergissmeinnicht-Ansteckblume. Die Blumen sollen an all die Personen erinnern, die genau wie Shkelzen verschwunden sind und deren Familien auf eine Klärung warten. Die Familie Kamberi nimmt die Blumen gerne als Geste an, aber eigentlich sind diese für sie nicht nötig, sie denken sowieso täglich an ihren Shkelzen.“

Suchdienst SRK


Internationaler Tag der Verschwundenen: 30. August 2010

Mittwoch, 25. August 2010

Pakistan: Hilfe und Selbsthilfe in Charsadda

Der SRK-Logistiker Thomas Büeler berichtet von der Nothilfe in Pakistan:

Heute haben wir in Charsadda, einem Dorf nahe von Peshawar Lebensmittel verteilt. Es war eindrücklich, wie diszipliniert die Aktion vonstatten ging. Die Menschen standen geduldig an bis sie an der Reihe waren. Sie erhielten verschiedene Esswaren wie Reis, Mehl, Öl oder Datteln. Ein Paket reicht bei einer siebenköpfigen Familie für einen Monat. Man konnte gut sehen, wie dankbar sie für diese Unterstützung sind.


Dass die Menschen Hilfe brauchen, ist offensichtlich. Viele Häuser sind zerstört. Zwar ist das Wasser mittlerweile abgezogen, doch die Schäden sind enorm. Vor allem ärmere Familien mit einfachen Wohnhäusern haben alles verloren - auch ihre Lebensmittelvorräte. Sie wurden vom Wasser weggeschwemmt, genau wie die Ernten auf den Feldern. Deshalb ist es so wichtig, dass wir jetzt mit Esswaren vor Ort sind.

Die Verteilung wurde vom Pakistanischen Roten Halbmond organisiert. Der lokale Koordinator, Jusuf Mohammed hat mir die Listen gezeigt, die erhoben wurden, damit wirklich jene Hilfe erhalten, die es am nötigsten haben. Weil er selber im Dorf lebt, kennt er die Verhältnisse. Für uns wäre es viel schwieriger gewesen, die richtigen Familien auszuwählen.

Hier sieht man mich im Gespräch mit Jusuf Mohammed.


Wer wie ich die Gegend vor der Katastrophe nicht kannte, sieht das Ausmass der Schäden nicht immer auf den ersten Blick. Auf der Fahrt nach Peshawar hat unser Fahrer erschüttert festgestellt, dass er das Gebiet kaum wieder erkenne: „Ganze Dörfer sind weg“, sagte er. Manche wurden von der Kraft des Wassers mitgerissen. In flacheren Gebieten ging einfach alles kaputt. Vor allem die Lehmhäuser: In stehendem Wasser lösen sie sich auf wie Zucker im Tee.

Auch viele Brücken wurden weggerissen und die Menschen müssen improvisieren, um die Flüsse zu überqueren.


Ohnehin fällt auf, dass sie sehr aktiv sind. Sie versuchen mit einfachen Mitteln, ihre Häuser zu flicken. Die Bevölkerung hier ist es gewöhnt, mit widrigen Umständen zu kämpfen. Wir dürfen sie nicht im Stich lassen.



Thomas Büeler, SRK-Logistiker in Pakistan

AKTUELL: Pakistan: SRK verteilt Lebensmittel für 150'000 Menschen

Montag, 23. August 2010

«2 x Noël» – que sont devenus les cadeaux?

Nous avons reçu un grand nombre de messages nous demandant des nouvelles par courriel de l’affectation des dons en nature et en argent collectés dans le cadre de la campagne «2 x Noël» de décembre 2009/janvier 2010.
Josef Reinhardt, responsable CRS de l’opération, nous dresse ci-après le bilan chiffré de la dernière édition.

«Un volume impressionnant a été récolté dans le cadre de l’action 2009/2010: 72 000 colis d’un poids total de 453 737 kg. En Suisse, nos associations cantonales ont distribué quelque 250 116 kg de marchandises. Par ailleurs, 84 596 kg ont été expédiés en Biélorussie, 34 082 kg en Moldavie, 11 389 kg en Bosnie-Herzégovine et 14 554 kg dans d’autres pays.

Pour gérer cet afflux de dons, nous avons bénéficié de l’aide bénévole de 771 personnes qui ont consacré 8312 heures au projet; sans elles, cette action n’aurait pas pu voir le jour.

Dons en ligne

Notre page www.2xnoel.ch a été consultée à 14 944 reprises; autrement dit, 14 944 personnes ont parcouru notre site de manière plus ou moins prolongée.
Pas moins de 797 personnes ont «acheté», sur notre page, un paquet virtuel d’une valeur de 20 à 500 CHF, ce qui a généré une somme de 59 366 CHF. En outre, nous avons reçu des dons en liquide à hauteur de 6000 CHF.

Ce résultat nous réjouit énormément et nous adressons nos plus vifs remerciements à toutes les personnes qui ont soutenu cette action.

Qu’avons-nous fait de l’argent reçu?

Nous avons affecté 33 000 CHF à la Bosnie-Herzégovine et le même montant à la Biélorussie. Nos collaborateurs sur place ont acheté des denrées alimentaires à des prix avantageux sur le marché local, qu’ils ont remises à des personnes démunies, des aînés, des familles nombreuses, des foyers pour enfants, etc. Les distributions sont toujours organisées par les Sociétés nationales Croix-Rouge.»

La 14e édition de «2 x Noël» se déroulera du 24 décembre 2010 au 8 janvier 2011.

Voici quelques clichés souvenirs de la distribution des colis:



Contenu d’un paquet envoyé en Biélorussie: 4kg de pâtes, 2 litres d’huile, 2kg de sarrasin et plusieurs boîtes de conserve.


Contrôle sur place: la qualité des paquets et de leur contenu est vérifiée.


Une collaboratrice de la Croix-Rouge à Minsk lors de la remise des cadeaux


Visite à domicile effectuée par une collaboratrice de la Croix-Rouge


Au siège de la Croix-Rouge à Minsk: une personne âgée récupère ses cadeaux.


Une femme vivant dans la précarité à Minsk se réjouit des denrées reçues.

Josef Reinhardt, Chef Service gestion de catastrophe en Suisse CRS

CRS- action 2 x Noël

Galerie de photos 2 x Noël : Distribution de cadeaux en Biélorussie, 2010

Mittwoch, 18. August 2010

Pakistan: Wie im Wallis – aber das meiste zerstört

Der SRK-Logistiker Thomas Büeler berichtet aus dem Katastrophengebiet:

Gleich nach meiner Ankunft in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad nahm ich Kontakt auf mit dem lokalen Roten Halbmond und bot die Hilfe des SRK an. Da die Verteilung von Nahrungsrationen an die Obdachlosen ganz dringend ist, entschlossen wir uns ganz unbürokratisch zum sofortigen Ankauf von Reis, Linsen und Speiseöl. Für 250‘000 Franken können damit über 4‘000 Familien während eines Monats versorgt werden. Die Tausenden von Freiwilligen des Pakistanischen Roten Halbmondes stehen seit Wochen im Einsatz und sind äusserst motiviert. Dies gibt mir ein zuversichtliches Gefühl, dass unsere Nahrungsmittel möglichst rasch an die Not Leidenden im überfluteten Gebiet des Pundjab verteilt werden.

Heute sind wir am frühen Morgen von Islamabad in das 200 km entfernte Swat-Valley im Nordosten weggefahren. Islamabad selber wurde von den Fluten verschont. Nach dreistündiger Fahrt erreichen wir das Flussgebiet des Indus. Da treten unvermittelt auch die ersten Anzeichen der Überschwemmungskatastrophe auf. Verschlammte Felder, zerstörte Häuser, beschädigte Brücken und Strassen. Dies inmitten eines lieblichen Tales umrahmt von Bergen, ganz ähnlich der Landschaft im Wallis. Die Menschen sind nach der Zurückbildung des Wassers wieder in ihre Dörfer zurückgekehrt. Zum Überleben sind sie vor allem auf die Hilfe innerhalb der grossen Familien und zwischen Nachbarn angewiesen.

Mit meiner Kollegin Sarah Bon, die als Krankenschwester tätig ist, und den Kollegen von der Deza möchten wir trotz der schlechten Strasse noch heute die Kleinstadt Madyan erreichen. Dort wurde das einzige grössere Spital des Swat-Valleys völlig zerstört. Auch das Spitalpersonal musste vor den Fluten fliehen. Noch wissen wir nicht, was uns erwartet. Wir werden die Hilfe des Schweizerischen Roten Kreuzes anbieten, um den medizinischen Dienst möglichst schnell wieder aufnehmen zu können. Und uns wenn möglich am baldigen Wiederaufbau des Spitals zu beteiligen.

Thomas Büeler, SRK-Logistiker aus Pakistan

AKTUELL: SRK erhöht Nothilfe in Pakistan auf 1 Million Franken

Video der Rotkreuz-Föderation über die Katastrophe

Dienstag, 17. August 2010

2 x Weihnachten – Was geschah mit den Spenden?

„Ich möchte gerne per Mail darüber informiert werden, was mit den Spenden geschehen ist.“ Dies wünschte eine Reihe von Spendern bei der Geschenke-Kampagne Dezember 2009/Januar 2010.
Josef Reinhardt, Leiter der Aktion 2xWeihnachten beim SRK gibt hier einen Einblick in die Verwendung der Spenden und Spendengelder.

„Die Aktion 2xWeihnachten 2009/2010 generierte die gewaltige Menge von 72‘000 Pakete im Gesamtgewicht von 453‘737 kg. In der Schweiz wurden durch unsere Kantonalverbände 250‘116 kg verteilt, 144‘621 kg. Gingen ins Ausland: Weissrussland erhielt 84‘596 kg., nach Moldawien gingen 34‘082 kg., nach Bosnien und Herzegowina 11‘389 kg. und 14‘554 kg. gingen in andere Länder.

Um diese gewaltige Spendenflut zu bearbeiten, haben insgesamt 771 Personen während 8312 Stunden für das Projekt unentgeltlich gearbeitet und dadurch überhaupt die Aktion möglich gemacht.

Spenden via die Website

14‘944 mal wurde unsere Seite „www.2xWeihnachten“ angeklickt, d.h. 14‘944 Menschen haben während kürzerer oder längerer Zeit auf unserer Seite verweilt. 797 Personen haben sich daraufhin entschieden, ein virtuelles Paket im Wert zwischen CHF 20.00 und CHF 500.00 auf der Seite zu „kaufen“. Das ergab einen Betrag von CHF 59‘366.00. Zusätzlich erhielten wir Barspenden im Wert von rund CHF 6‘000.00.

Das ist ein sehr erfreuliches Resultat und wir möchten uns bei allen unseren Spenderinnen und Spendern herzlich bedanken!

Was haben wir mit diesem Geld gemacht?

Wir haben je CHF 33‘000.00 nach Bosnien und Herzegowina und Weissrussland überwiesen. Unsere Rotkreuzleute vor Ort haben damit für die einheimische Bevölkerung günstige Lebensmittel eingekauft und diese an Bedürftige, Betagte und kinderreiche Familien, Kinderheime etc. verteilt. Die Verteilungen erfolgen immer durch die lokalen nationalen Rotkreuzgesellschaften.

Die 14. Aktion 2xWeihnachten 2010/2011 beginnt am 24. Dezember 2010 und endet am 8. Januar 2011.

Hier sind einige Eindrücke von der Verteilung der Geschenkpakete:



Inhalt eines Paketes in Weissrussland: 4kg Teigwaren, 2 Liter Öl, 2kg Buchweizen und verschiedene Konserven.


Kontrolle vor Ort: die Qualität der Pakete und der darin enthaltenen Lebensmittel werden überprüft.


Eine Mitarbeiterin des Roten Kreuzes in Minsk bei der Übergabe der Geschenke


Mitarbeiterin des Roten Kreuzes auf Hausbesuch


Am Hauptsitz in Minsk: eine ältere Frau holt ihre Geschenke ab


Eine bedürftige Frau in Minsk freut sich über die erhaltenen Lebensmittel

Josef Reinhardt, Leiter Fachstelle Katastrophenhilfe Schweiz, SRK

SRK-Aktion: 2 x Weihnachten

Fotogalerie 2 x Weihnachten: Geschenkeverteilung in Weissrussland, 2010