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Donnerstag, 6. Januar 2011

„Bis jetzt habe ich zum Glück noch keinen Todesfall erlebt“

Die SRK-Krankenschwester Sabine Hediger berichtet von ihrer Arbeit in der Cholera-Klinik in Haiti. Für die vierfache Mutter ist es ihr erster humanitärer Einsatz im Ausland.

Seit einer Woche bin ich in Haiti im Einsatz. Ich habe nur einmal, zum neuen Jahr, zuhause angerufen und viele SMS geschickt. Ansonsten konzentriere ich mich ganz auf meine Aufgaben. Es ist eindrücklich, wie gut die Cholera-Klinik funktioniert, die das SRK zusammen mit Médecins du Monde hier in Grand- Goâve betreibt.

Täglich kommen viele neue Patienten, manche sind in sehr schlechter Verfassung. Heute kämpften wir mehrere Stunden um das Leben eines einjährigen Mädchens. Es war bereits im Koma, als es gebracht wurde. Zum Glück ist die SRK-Kinderärztin Isabelle Güss hier, sie wusste, was zu tun ist. Unterdessen ist die Kleine über den Berg und trinkt schon wieder von der Brust der Mutter.

Bis jetzt habe ich zum Glück noch keinen Todesfall erlebt. Man kann sagen: Wenn die Patienten es bis hier schaffen, stehen die Chancen gut, dass sie die Cholera überleben. Das Problem ist der Weg, wenn sie von weit her kommen. Um auch in abgelegenen Dörfern erkrankte Menschen zu behandeln, werden jetzt kleine Aussenstationen aufgebaut: Zelte mit je sechs Betten, die von zwei Krankenschwestern betrieben werden. Das ist eine besondere Herausforderung. Um geeignete Fachleute zu finden, haben wir im Behandlungszentrum ein Inserat aufgehängt. Innert kürzester Zeit gingen 15 Bewerbungen ein. Meine Aufgabe ist es nun, die Bewerberinnen zu befragen und zu testen, damit wir abschätzen können, ob sie der schwierigen Aufgabe gewachsen sind.

Etwas überraschend ist, dass meine Aufgabe nicht in erster Linie die Pflege umfasst, sondern die Schulung des Personals. Die lokalen Krankenschwestern müssen über die Behandlung von Cholera Bescheid wissen. Sehr wichtig ist es, die Patienten gut zu beobachten und zu überwachen: den Puls, die Atmung, die Augen und die Haut. Der Zustand eines Patienten kann sich rapide verschlechtern, und wenn man dies nicht sofort erkennt, ist es vielleicht zu spät. Wegen schwerem Durchfall ist der Wasserverlust bei Cholera immens. Wir hatten einen Patienten, dem mussten innert 12 Stunden 20 Liter Wasser zugeführt werden.


Manchmal haben die lokalen Krankenschwestern Mühe, Infusionen zu stecken. Aus diesem Grund habe ich gestern einen Workshop durchgeführt, bei dem wir gegenseitig übten. Auf dem Bild sieht man, wie eine meiner haitianischen Kolleginnen versuchsweise an meinem Arm die Nadel steckt.

Weitere Bilder aus der Klinik in Haiti:


Telefongespräch aufgezeichnet von Katharina Schindler, SRK

>>Spenden für die Cholera-Bekämpfung in Haiti

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