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Dienstag, 8. Februar 2011

„Ohne das Rote Kreuz wäre ich längst tot“

Auf Besuch bei einer Aids- und Tuberkulose-Patientin in Swasiland.


Metisa, ein Krankenpfleger des Swasiländischen Roten Kreuzes, macht einen Hausbesuch bei einer Patientin. Zum Glück hat es vorher aufgehört zu regnen, sonst wäre es nicht möglich gewesen, die Schotterstrasse, die in die Nähe von Sibongile Gininzdas einfachem Haus führt, mit dem Auto zu bewältigen. Ein rutschiger Fussweg führt schliesslich steil zum „Homestead“ – einer einfachen Behausung - hinunter, wo die 48-jährige Witwe mit zwei Kindern, einer Enkelin und ihrer behinderten Schwester lebt. Gininzda empfängt den Pfleger in einem Unterstand, der ihr als Küche dient.

Seit anderthalb Jahren weiss die zierliche, ernste Frau, dass sie Aids hat. Letzten Herbst kam dann noch Tuberkulose dazu, „Ohne Behandlung durch das Rote Kreuz wäre ich schon lange tot“, sagt sie. Es fällt ihr schwer, über die schlimmste Zeit zu sprechen, als sie so schwach war, dass sie das Bett nicht mehr verlassen konnte. Nachbarn trugen sie schliesslich den Hang hinauf zur Strasse und organisierten den Transport in die Rotkreuz-Klinik. „Ich war verzweifelt. Was sollte aus meinen Kindern werden, meiner kranken Schwester, meiner kleinen Enkelin? Ohne mich wären sie verloren.“

Zum Glück geht es Gininzda unterdessen viel besser. „Auf die Medikamente hat sie sehr gut angesprochen und sogar schon ein wenig an Gewicht zugelegt“, sagt Metisa, der Pfleger, der sie seit Beginn der Behandlung betreut. Zweimal die Woche besucht er sie (und viele andere Patienten) zuhause, um sicherzustellen, dass es bei der Behandlung keine Probleme gibt.

Seit 2004 bietet das SRK in Swasiland Aids-Therapien an. Zuvor gab es in ländlichen Gebieten keine Behandlungsmöglichkeiten. Drei Kliniken wurden seither vom SRK umgebaut, in deren Einzugsgebiet 30‘000 Menschen leben. Durch die Therapie verändert sich das Leben der Patienten drastisch. Ohne Behandlungsmöglichkeit kam Aids einem Todesurteil gleich. Durch die Therapie erhalten sie wieder eine Perspektive. Seit zwei Jahren wird auch Tuberkulose systematisch getestet und therapiert. Denn Menschen, deren Immunsystem durch HIV geschwächt ist, erkranken sehr oft auch an der hoch gefährlichen Tuberkulose.

Bilder der Arbeit des Roten Kreuzes in Swasiland:





Zu den Gesundheitsproblemen kommt oft die Armut, die durch die Krankheit noch schlimmer wird. Denn wenn, wie im Fall von Gininzda, die Patientin die Lokomotive der Familie ist, bricht ein ganzes System zusammen. Schon der Tod des Mannes hatte zur Verarmung beigetragen. Zur Aids- und TB-Behandlung des SRK gehört deshalb auch ein umfassendes Sozialprogramm, das die Menschen in ihrem schwierigen Alltag unterstützt.

Wo immer es geht versucht Gininzda, sich selber zu helfen. Einen Grossteil der Tage – auch den heutigen - verbringt sie mit Häkeln: Bunte Jupes für kleine Mädchen, die sie an der nahen Durchgangsstrasse zu verkaufen versucht. Auch Brot bäckt sie manchmal, um ein wenig Geld zu verdienen. Im Garten neben dem Haus pflanzt sie Gemüse an. Die Setzlinge hat sie vom Roten Kreuz bekommen.


„Es ist wichtig, dass die Patienten genügend und gesund essen. Sonst ertragen sie die starken Medikamente nicht“, sagt Metisa. Heute hat er das Nahrungsmittelpaket für einen ganzen Monat dabei, mit Reis, Oel und Bohnen. Gininzda strahlt, als sie das Paket entgegennimmt. Es ist das erste Lachen, seit wir da sind. Ich bin froh, dass wir nicht mit leeren Händen gekommen sind.

>>Das SRK in Swasiland

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