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Freitag, 4. März 2011

Haiti: „Zum Dank schenkte mir der Grossvater drei Eier“

Die Krankenschwester und Hebamme Marlies Vincenz kam kürzlich von einem SRK-Einsatz in der Cholera-Klinik in Haiti zurück. Sie berichtet von ihrem eindrücklichsten Erlebnis.

Es war mein dritter Haiti-Einsatz. Nachdem ich 2008 nach den schweren Überschwemmungen und vor einem Jahr kurz nach dem Erdbeben einen Nothilfe-Einsatz leistete, war ich diesmal in der Cholera-Klinik in Grand-Goâve, die das SRK zusammen mit andern Hilfswerken betreibt.


Hier betreue ich eine Cholera-Patientin

Als Pflegefachfrau und Hebamme werde ich ganz unterschiedlich eingesetzt. Diesmal ging ich als Pflegerin, denn im Cholera-Behandlungszentrum gibt es keine Geburtenabteilung.
Trotzdem war mein eindrücklichstes Erlebnis eine Geburt.

Janet, eine hochschwangere junge Frau wurde ins Spital gebracht, weil sie an Cholera erkrankt war. Auch ihr dreijähriges Töchterchen Madline war krank, es kam ins Kinderzelt, sie zu den Erwachsenen. Beide waren komplett entkräftet und wurden sofort mit Flüssigkeit und Medikamenten versorgt.



Prompt setzten schon bald die Wehen ein. Als einzige Hebamme nahm ich mich der Frau an. Ich machte mir Sorgen, weil die Frau so schwach war und wir in der Klinik nicht für Geburten ausgerüstet waren. Zusammen mit einem der Ärzte trieb ich das Nötigste auf: Klemmen, Schere, Schale. Handschuhe, Plastikbecken und Chlorlösung zum Desinfizieren war genügend vorhanden. Sogar drei neue Handtücher.

Doch womit sollte ich die Nabelschnur abbinden? Die normale Schnur, die wir in der Klinik hatten, war zu dick, der Faden aus meinem kleinen Nähzeug zu dünn. Trotzdem wollte ich es versuchen.

Parallel dazu suchte ich nach Alternativen – denn bei Komplikationen, wäre es schwierig geworden. Telefonisch kontaktierten wir verschiedene Spitäler, die Geburten durchführten. Als die Nacht hereinbrach hatten wir eine Lösung gefunden. Janet wurde gerade noch rechtzeitig nach Léogane verlegt, in eine Klinik von Médecin sans Frontières .


Janet und ihr Ehemann mit dem Neugeborenen.

Kurz darauf hat sie dort ein gesundes, sehr kleines Mädchen geboren. Eine Woche später holte ich sie ab und begleitete sie nach Hause. Sie lebte in einem abgelegenen kleinen Zweizimmer-Haus in den Bergen, zusammen mit einer umfangreichen Familien.

Der Empfang war sehr herzlich. Die ganze Familie erwartete uns. Auch die dreijährige Mesline war wieder gesund und zuhause. Man hatte sich sehr gesorgt um die schwerkranke Mutter und ihr Baby und das kleine Mädchen. Alle küssten mich, es war sehr ergreifend. Zum Dank schenkte mir der Grossvater drei Eier. Später, zurück in Grand Goâve, habe ich mir davon eine Omelette gekocht.


Auch die Grossmutter hat mich herzlich herzlich begrüsst. Im Hintergrund das Haus der Familie.

Mehr zu unserer Arbeit in Haiti
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