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Dienstag, 26. April 2011

Happy-End nach Flucht aus Libyen

Erfolg bei der Suche nach vermissten Angehörigen: Nicole Windlin, Leiterin Suchdienst SRK, erzählt von der Zusammenführung einer Familie, die sich auf der Flucht aus Libyen aus den Augen verloren hatte.

Fast einen Monat bin ich nun an der Tunesisch-Libyschen Grenze. Die Mehrheit der Menschen in den Camps haben auf der Flucht in die Sicherheit vieles oder gar alles verloren. Über Jahre haben sie jeden Dinar, den sie verdient haben auf die Seite gelegt, um ihre Familien in den Heimatländern zu unterstützen. All dieses Geld ist nun weg. Die Verzweiflung ist gross. Doch nebst den vielen traurigen Geschichten, die uns erzählt werden, gelingt es uns ab und zu, mit unserer Hilfe einen Lichtblick zu ermöglichen. So zum Beispiel bei Nouma:

Nouma posiert für das Foto mit ihrem Baby, das ihr Mann zum letzten Mal gesehen hat, als es einen Monat alt war.

Nouma ist mit ihrem Baby aus Tripoli geflüchtet. Sie hat dort mit ihrem Mann Tsegay gelebt und gearbeitet - alles war gut bis im letzten November. Ihr Mann ging einkaufen, während sie mit ihrem vier Wochen alten Baby zu Hause blieb. Da begann der Alptraum: Ihr Mann kam vom Einkaufen nicht mehr zurück. Nouma suchte überall in der Umgebung. Sie kontaktierte seine Freunde, fragte verschiedene Personen, die aus der Haft kamen, ob sie Tsegay gesehen hätten. Niemand konnte ihr helfen.
Als der Konflikt ausbrach, flüchtete sie mit ihrem Baby nach Tunesien und kontaktierte das IKRK für die Suche nach ihrem Mann. Ein Suchantrag wurde ausgefüllt, damit in Libyen so schnell wie möglich gesucht werden konnte. Eine Rotkreuznachricht an seine Eltern in Eritrea brachte die Gewissheit, dass auch sie nichts über den verbleib ihres Sohnes wussten. Wir sprachen auch mit unserer eritreischen Kontaktperson, Samiel, im Choucha Camp. Samiel hatte aufgrund einer anderen Suche einen Kontakt auf der gegenüber liegenden Seite von Libyen, an der ägyptischen Grenze in Salloum. Er frage dort nach und tatsächlich erhielten wir die Nachricht, dass Tsegay dorthin geflüchtet war.

Gruppenfoto mit Samiel (links), der uns half den Kontakt zur ägyptischen Grenze herzustellen.

Bei seinem Verschwinden war er in Tripoli inhaftiert worden und anschliessend nach Benghazi verlegt worden. Von dort aus konnte er in den Anfängen des Konflikts in Libyen nach Aegypten flüchten. So konnte ich den ersten Telefonkontakt ermöglichen und Nouma war überglücklich zu wissen, dass ihr Mann noch am Leben war. Fotos wurden zu unserer Kollegin des Restoring Family Link-Netzwerkes in Salloum gesendet und durch sie an Tsegay übermittelt. Seine grosse Freude ist auch auf den Fotos, die nachher an uns zurück gesendet wurden, noch richtig spürbar. Neben der grossen Erleichterung erschrak Nouma allerdings ein wenig als sie Tsegays Fotos sah, hatte er doch viel Gewicht verloren. Aber in einer Situation wie dieser zählt nur eines: Tsegay lebt!

Ganz fest und nahe beim Herz hält Tsegay die Bilder seiner Frau und seines Babys.

Auch uns tat dieser Erfolg gut. Solche Geschichten geben uns Energie, jeden Tag weiterhin nach weiteren verschwundenen Personen zu suchen.

Mehr Informationen über den Suchdienst SRK

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