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Mittwoch, 6. April 2011

Libysche Flüchtlinge: Zwei Minuten Kontakt nach Hause

Seit über einem Monat können Flüchtlinge aus Libyen mit ihren Familien telefonieren. Nicole Windlin, Leiterin Suchdienst SRK, berichtet von ihrem Einsatz mit dem Team des IKRK in Tunesien an der libyschen Grenze.

„Hundertzwanzig kostbare Sekunden: So viel Zeit haben alle Personen, um am Telefon mit ihren Familien zu sprechen. Dieser Moment zaubert auf die meist traurigen und müden Gesichter ein wunderbares Lächeln. Diese Erfolgserlebnisse sind der Grund dafür, warum die 15 Freiwilligen, die jeden Tag mit uns arbeiten, immer wieder von neuem bei hohen Temperaturen geduldig die Nummern wählen, um die Familien der Flüchtlinge zu erreichen.


In der Schlange stehen, um mit den Angehörigen sprechen zu können.

Jeden Tag werden über 600 Telefonate ermöglicht. Die Personen nehmen lange Wartezeiten in Kauf, um mit ihren Liebsten zu sprechen. Auch wenn wir immer versuchen, sie in den Schatten zurück zu bringen, sind sie zu ungeduldig und harren lieber auch bei grösster Hitze an der Sonne aus.


Wer telefonieren will, muss sich zuerst registrieren lassen.


Jeder Anruf wird registriert mit Herkunftsland, Zielland des Anrufes und der Anzahl an Anrufen, die die Person schon tätigen konnte. Über 32 verschiedene Nationalitäten befinden sich im Camp. Bis heute sind die Mehrheit der Anrufe erstmalige Kontaktaufnahmen mit der Familie. Den Flüchtlingen werden beim Verlassen von Libyen an der Grenze allen ihre Mobiltelefone/SIM-Karten abgenommen, so dass sie selber keine Möglichkeit mehr haben, ihre Familien zu kontaktieren. Pro Tag überqueren immer noch rund um 2000 Flüchtlinge die Grenze von Libyen nach Tunesien.


Ein Mann kann nach langer Zeit der Ungewissheit am Telefon mit seiner Familie sprechen.

Hier an der Grenze zeigt sich die Stärke der Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung. Aus ganz Tunesien und sogar aus Algerien kommen die Freiwilligen ins Choucha-Camp, um zu helfen. Der Tunesische und Algerische Rote Halbmond unterstützen das IKRK, um die Telefondienstleistung überhaupt anbieten zu können. Viele der Freiwilligen sind schon über einen Monat im Einsatz. Ich bewundere ihren Elan und ihr spontanes Engagement.

Als Restoring Family Links-Spezialistin im Einsatz mit dem Roten Kreuz trage ich zur Koordination der Freiwilligen bei und unterstütze sie bei ihrem Einsatz bei allen auftretenden Fragen. Vor allem wenn es um Kontaktverluste mit Familienmitgliedern oder verschwundene Personen in Libyen geht, kommen die Delegierten zum Einsatz. Aber dazu mehr im nächsten Blogpost.“


Das Team bestehend aus Vertretern des IKRK, des Tunesischen Roten Halbmonds und Nicole Windlin, SRK, (4. von links kniend).

Hilfe für Flüchtlinge aus Libyen

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