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Freitag, 20. Mai 2011

Libyen: Im Niemandsland gestrandet

An der ägyptisch-libyschen Grenze sind über 1‘000 afrikanische Flüchtlinge hängen geblieben. Hannes Heinimann vom SRK besuchte kürzlich die Wüstenzone.



Verlässt man die ägyptische Hauptstadt Kairo auf der Autobahn in nord-westlicher Richtung, lässt sich die nahende Wüste noch kaum erahnen. Das fruchtbare Niltal ist die Getreide- und Obstkammer des Landes. Doch plötzlich wird die Vegetation spärlicher und die vorherrschende Farbe ist nicht mehr grün, sondern braun. Das letzte Wegstück bis zum Grenzort Saloum liegt zwischen dem blauen Mittelmeer und der kargen Wüste.
Die ägyptischen Zollgebäude an der libyschen Grenze wirken wie Turnhallen. Seit zwei Monaten sind aus Libyen geflüchtete Familien darin auf einfachen Matratzen untergebracht. Gastarbeiter aus Somalia, Eritrea und Südsudan, die nicht in ihre Heimatländer zurückkehren können. Rund 1‘000 Menschen. Die jungen Männer, die einen Grossteil der Flüchtlinge ausmachen, leben in den von der UNO zur Verfügung gestellten Zelten auf offenem Gelände.

Ihre Zukunft ist ungewiss, denn sie können weder nach Libyen zurück noch in ihr Ursprungsland weiterreisen.

Das Schicksal der somalische Eltern mit ihren drei Töchtern zwischen 14 und 20 Jahren ist eines von vielen. „Wir mussten aus dem umkämpften Misrata fliehen und sind nun hier blockiert“, erklärt der Vater. „Unsere Töchter sind in Libyen aufgewachsen. Doch in meinem Heimatland Somalia gibt es keine Zukunftsperspektiven“. Besonders schwierig ist die Lage auch für die jungen Eritreer. Sie würden bei einer Rückkehr in ihr Heimatland eingesperrt oder in die Armee eingezogen.

20 Freiwillige des Roten Halbmondes, in ihrer Mehrheit Studenten aus Kairo, verteilen den Flüchtlingen täglich ein einfaches Nachtessen: Brot, Ölsardinen, Früchte, Mineralwasser. Sie kümmern sich ebenfalls um die praktischen Probleme des Alltags. Rinnt ein Wasserhahn oder muss eine Latrine repariert werden, sind sie dafür zuständig.

Das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) finanziert das Hilfsprogramm. Unter diesen harten Lebensbedingungen ist jede Hilfe eine Geste der Menschlichkeit.

Der 24-jährige Mustafa ist einer der Freiwilligen, die für jeweils 3 – 4 Wochen in Saloum im Einsatz stehen. Er schliesst in wenigen Monaten das Studium an der technischen Universität ab und meldete sich spontan für die Betreuung der Flüchtlinge hier an der Grenze. „Auch wenn ich mir Sorgen mache um meine eigene berufliche Zukunft, so bin ich privilegiert im Vergleich zu den heimatlosen afrikanischen Flüchtlingen“, sagt der motivierte Helfer.

Hannes Heinimann, Leiter Katastrophenhilfe SRK


>>Hilfe für Libyen-Flüchtlinge in Ägypten

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