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Freitag, 12. August 2011

Dürre in Kenia: Eindrücke aus Wajir

Der SRK-Mitarbeiter Karl Schuler berichtet aus dem Nordosten Kenias, der von einer schweren Dürre betroffen ist.

Nur eine Stunde nördlich von Garissa, dem Hauptort der weiten North East Provinz Kenias, liegt ein erstes Tierkadaver am Strassenrand. Unsere spontane Vermutung, die Kuh sei von einem Fahrzeug totgefahren worden, ist falsch. Während der fünfstündigen Fahrt nach Wajir treffen wir immer wieder auf tote Kühe und Kamele als trauriges Zeugnis der seit über zwei Jahren anhaltenden Dürre. Die Nomaden haben die Tiere auf ihrem weiten Weg auf der Suche nach Weideland oder auf der Flucht in eine sichere Ortschaft zurücklassen müssen, weil diese den Weg nicht mehr aus eigener Kraft schafften. Wenn man bedenkt, wie eng die Bindung zwischen Hirt und Tier in der Nomadenkultur ist, lässt sich nur erahnen, mit welchem Schmerz dieser Verlust verbunden ist.


Wie die Giraffen, Antilopen und überall herumrennenden Dickdicks - eine Art Zwergantilopen - in der Busch- und Dornensavanne überleben, bleibt rätselhaft. Bereits beklagen sich die Bauern, die Wildtiere würden unter dem Stress der Dürre immer stärker in die Dörfer und auf das Weideland eindringen.

Der Ort Wajir besteht aus zwei staubigen Strassen, denen entlang einige einstöckige Gebäude die Regierungsstellen, eine Bank und weitere kleine Geschäfte beherbergen. Am Rand stehen mit Schnüren zusammengezurrte Hütten aus Wellblech, davor bieten Marktfrauen Tomaten, Zwiebeln, Kohl und Mais feil. Esel mit Karren schaffen sich einen Weg durch das Wirrwarr. Gehetzt wirkt hier niemand.



Wir fahren zu einer Primarschule in einem Aussenviertel, wo das Rote Kreuz täglich Unimix - einen proteinhaltigen, gut schmeckenden Brei - an die Schulkinder abgibt. 300 Kinder sind es hier, die trotz den Schulferien im August täglich versorgt werden. Fatuma Abdi ist als Köchin angestellt. Sie führt uns zu ihrem Verwandten Youssouf Hussein, der sich mit seiner Frau und den fünf Kindern nahe einer aus Stroh und Decken gefertigten Rundhütte niedergelassen hat. Nach einem über 100 km langen Marsch ist er vor einem Monat erschöpft hier eingetroffen. Seine Familie ist auf der Brücke eines Lastwagens nachgekommen. Auf dem Weg hierher sind die meisten seiner 200 Ziegen verendet.


Nun leben sie von der Unterstützung durch ihre Verwandten. Die 12- und 9-jährigen Mädchen Hasana und Solorei besuchen die Primarschule. Für die tägliche Verpflegung durch die Rotkreuz-Köchin Fatum Abdi dürfen sie auch ihre drei jüngeren Geschwister zu Schule mitnehmen.


Karl Schuler, SRK

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