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Freitag, 5. August 2011

Japan: Kräfte tanken nach der Katastrophe

Michael Allemann weilte im Auftrag des Vereins „Dunant 2010 plus“ im Katastrophengebiet Japans. Dort unterstützt der Verein, der dem SRK nahe steht, ein Zentrum für Kinder und Mütter aus der Gegend von Fukushima. Ein Erlebnisbericht.

In Begleitung meiner Dolmetscherin Rie Kirby sitze ich im im Shinkansen, dem Japanischen Hochgeschwindigkeitszug. Wir sind auf dem Weg nach Echigo Yuzawa unweit von Fukushima. Dort betreibt die Organisation" Akachan" ein Evakuierungszentrum für Kinder und Mütter. Wir kommen aus Minamisanriku, dem durch den Tsunami vom 11. März fast völlig zerstörten Fischerstädtchen.


Neben den dramatischen Bildern bleiben mir auch die kleinen Lichtpunkte im Gedächtnis. Beim Besuch einer Kindertagesstätte lernte ich einen fünfjährigen Bub kennen, welcher mit seiner Mutter vom Tsunami mitgerissen wurde und überlebt hat.


Knapp 2.5 h später erreichen wir Echigo Yuzawa. Draussen ist es bereits dunkel und doch nimmt sich die Projektinitiantin Frau June Okanoya Zeit für uns.



Auf die Frage, wie sie zu dieser Initiative gekommen ist, erzählt sie die Erlebnisse von 1995 beim Erdbeben in Kobe. Sie erlebte dieses hautnah mit und stellte fest, dass vor allem Mütter mit Kleinkindern nach dem Erbeben sehr grossen Schwierigkeiten ausgesetzt waren. Mangelnde Hygiene und fehlendes Frischwasser führten zu Krankheiten. Aus dieser Erfahrung heraus beschloss sie, nach der Katastrophe im Norden Japans selber aktiv zu werden und Müttern und Kinder einen temporären Aufenthalt in einer sicher Umgebung anzubieten. Inklusive medizinischer und psychologischer Betreuung. Momentan sind ca. 400 Mütter und Kinder an diesem Ort untergebracht.
Nach unserem langen Gespräch war das Restaurant im Hotel bereits geschlossen und so fuhr uns Frau Okanoya in die Stadtmitte, wo wir in einem Izakaya - Japanische Kneipe) - noch unser Hunger stillen konnten. Den nächsten Morgen verbrachte ich mit den Kindern und Müttern.


Bei den Kindern ist die Stimmung fröhlich. Sie fühlen sich hier in dieser Umgebung sicher und können beim Spielen ihren Bewegungsdrang ungestört austoben.


Die Betreuer erzählen mir, dass bei den Müttern eine grosse Unsicherheit und Stress herrschen. Denn sie wissen immer noch nicht wie es weitergeht und wann sie nach Hause zurückkehren können. Vielen der Mütter und Kinder stammen aus der Präfektur Fukushima und die Rückkehr zu ihrer gewohnten Umgebung ist alles andere als sicher.


Text und Fotos: Michael Allemann

>> Japan: Helfen Sie mit einer Spende

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