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Mittwoch, 17. August 2011

Kenia: Früher Nomaden, heute Bauern

Der SRK-Mitarbeiter Karl Schuler berichtet aus dem Nordosten Kenias über die ungewöhnliche Geschichte eines erfolgreichen Experimentes – ein Beispiel zur Katastrophenvorsorge.

Es ist noch Morgen früh im Nordosten Kenias. Die rote Sonnenscheibe im Osten des weiten Horizontes kündigt den neuen Tag an. Die dornigen Akazienbäume und der graue Staub des ausgetrockneten Bodens wollen nicht so recht zum erhebenden Naturspektakel passen.

Doch plötzlich weicht die trockene Savanne einer grünen Vegetation. Früchte tragende Papayabäume – hier Popos genannt – ragen zum Himmel.



Wir sind in der Madogo-Farm am Tata River angekommen, wo 50 Familien mit Unterstützung des Roten Kreuzes gemeinsam Landwirtschaft betreiben. Doch leben sie nicht seit Generationen als Bauern hier, sondern erst seit wenigen Jahren. Der ehemalige Viehzüchter Ali Abdellah erzählt uns die ungewöhnliche Geschichte dieses erfolgreichen Experimentes.


„Anlässlich der Dürre von 1997 verloren wir den grossen Teil unserer Kuh- und Kamelherden. Da erhielten wir von der Regierung 250 Hektar Land hier am Tana Fluss. Wir begannen mit dem Anbau von Papaya, Tomaten, Wassermelonen und Mais. Doch 2007 vernichtete eine Überschwemmung den grossen Teil der Ernte“. Was Ali Abdellah beschreibt, ist das Resultat des Klimaphänomens El Niño und La Niña. In Perioden wie der gegenwärtigen wird die Feuchtigkeit über Ostafrika durch die Winde nach Indonesien und weiter östlich getrieben, was längere Dürren zur Folge hat. Wenn El Niño vorherrscht, bleiben die starken Winde aus und es regnet heftig.

Für die 50 Bauernfamilien begann nach der Überschwemmung der Kampf um eine neue Existenz von vorne. Das Kenianische Rote Kreuz verteilte ihnen junge Fruchtbäume und Saatgut für Getreide sowie eine Elektro-Pumpe. Diese ist besonders wichtig, um das Wasser aus dem Fluss zu pumpen und die Felder zu bewässern. Heute können sie von der Selbstversorgung und vom Erlös durch den Verkauf der Wassermelonen, Bananen und Papayas auf dem nahmen Markt in der Provinzhauptstadt Garissa leben.



Nur einige Kühe und Ziegen für die tägliche Milch erinnern an das frühere Leben. Auch haben alle noch Verwandte, die als Nomaden in der Viehzucht leben. Dies lindert etwas den Schmerz über den Verlust der früheren Nomadenkultur. Der für die Katastrophenvorsorge verantwortliche Michael Aiyabei des Kenianischen Roten Kreuzes gibt sich jedoch überzeugt, dass die Zukunft vieler Viehnomaden in der Landwirtschaft liegt. Denn die knapper werdenden Weideländer und Wasserstellen halten dem wachsenden Druck nicht stand.


Das Rote Kreuz erleichtert den Viehzüchtern den Wandel zum Bauerntum mit einer Starthilfe und praktischen Ausbildung. Die Madogo-Farm am Tata River, die 50 Familien ernährt, ist ein Beweis dafür, dass es klappen kann.

Text und Fotos: Karl Schuler, SRK


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