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Dienstag, 6. September 2011

Nubya in Haiti

Fünf Tage lang bereiste die Sängerin Nubya, die neue Botschafterin des SRK, Haiti. Ihre Eindrücke hat sie in einem kurzen Tagebuch festgehalten.


Freitag, Léogâne
Soviel kann man in einem Tag erleben! Erst noch war Haiti nur eine Vorstellung in meinem Kopf, jetzt bin ich da. Nach langer Reise landete ich frühmorgens in Port-au-Prince. Am Flughafen bereits die erste Überraschung: Eine Band empfing die Besucher mit traditioneller Musik. Das hat mich sehr berührt, ein wirklich schöner Empfang.

Später die Fahrt in die Küstenstadt Léogâne. Drei Stunden lang ziehen am Autofenster Bilder vorbei, die schwer zu fassen sind. Trümmer überall, Märkte zwischen Abfallbergen und Pfützen, Menschen, die in dieser apokalyptischen Umgebung ihren Alltag leben.


In Léogâne empfangen mich Olivier und Daniel, zwei Delegierte des SRK. Wir besuchen eine Tuberkulose-Klinik, die von katholischen Schwestern geführt wird. Noch heute sind die Patienten in riesigen Zelten untergebracht, die ihnen das Rote Kreuz gleich nach dem Erdbeben zur Verfügung stellte. Soeur Chantal (siehe Foto) führt uns herum. Sie erklärt, wie froh sie für die Hilfe ist, aber auch, dass vieles nicht gut läuft. Der Wiederaufbau des Spitals, den ihr eine japanische Organisation zugesichert habe, komme nicht voran. Mir gefällt diese resolute Frau, die bei aller Dankbarkeit ganz klar ihre Meinung sagt.


Samstag, Palmiste-à-Vin
Heute habe ich das Dorf besucht, das vom SRK wieder aufgebaut wird. Die Hälfte der 1200 Familien hat ihr Haus beim Erdbeben verloren. Sie bekommen ein neues, sturmsicheres Haus. 400 Häuser stehen bereits. Wo immer ich hinkomme, werde ich herzlich begrüsst und herein gebeten. Ich staune, wie die Menschen unter schwierigsten Bedingungen den Mut nie verlieren.


Später werde ich von einer Gruppe Schüler und Schülerinnen erwartet. Sie haben von meinem Besuch gehört und wollen mit mir zusammen singen. Es braucht einen Moment, bis sie auftauen. Aber dann merke ich, wie sehr sie sich freuen. Es freut mich, dass ich ihnen mit meinem Lied einen schönen Moment schenken kann. Der Dorflehrer bittet mich, ihm meine neue CD zu schicken. Das werde ich tun, sobald ich wieder zurück bin!


Sonntag, Port-au-Prince
Im Vergleich zu Port-au-Prince war es in Palmiste-à-Vin idyllisch. Die Stadt ist so riesig und so kaputt! Stundenlang fährt man über holprige Strassen, die Trümmer scheinen kein Ende zu nehmen. Manche Orte sehen aus, als ob das Erdbeben erst vor zwei Wochen geschehen sei. Unvorstellbar, wie es hier vor anderthalb Jahren aussah!

Es gibt aber auch Häuser, die noch intakt sind. Man sieht deutlich, welchen Unterschied es macht, ob ein Haus gut oder schlecht gebaut wurde. Wir fahren an der Kathedrale vorbei, die komplett zerstört ist. Auch am Präsidentenpalast. Die Wucht des Erdbebens wird mir nochmals richtig bewusst.


Montag, Port-au-Prince
Heute besuchen wir die Basis der Internationalen Roten Kreuzes. Aus allen Ländern hat es Rotkreuz-Helfer. Toll, wie all die Nationen zusammen arbeiten! Zum Teil leben die Helfer und Helferinnen seit Monaten in Zelten, ohne Privatsphäre. Das braucht Idealismus.

Ich besuche ein Camp, wo noch immer 18‘000 Menschen leben. Das Rote Kreuz kümmert sich um die Wasserversorgung, alles scheint gut organisiert. Es ist eine richtige Stadt, mit Geschäften, Treffpunkten, Schulen. Es wird nicht leicht sein, die Camps eines Tages wieder aufzulösen. Wie wird Port-au-Prince in zehn Jahren aussehen? Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Trümmer jemals weggeräumt sind. Es hat zu viele.

Dienstag, Rückreise
Ein letztes Frühstück im Hotel, dann heisst es Abschied nehmen. Ich habe viel gesehen, viel gelernt auf dieser Reise, vor allem mit dem Herzen. Haiti – ich nehme viele Erinnerungen mit. Nicht nur an Trümmer und Armut. Sondern vor allem an Menschen, die nie aufgeben und unter schwierigsten Umständen ihre Würde bewahren. Als SRK-Botschafterin setze ich mich dafür ein, dass sie nicht vergessen gehen.

Das SRK in Haiti
SRK-Botschafterin Nubya in Haiti

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