Freitag, 25. Februar 2011

Kriegsopfern ein Lächeln aufs Gesicht zaubern

Ramona Iuffrida und Tamara Matovic haben Grosses vor. Die zwei Schülerinnen organisieren am 5. März 2011 im Pfarreizentrum Dietikon eine Benefizveranstaltung für das Ambulatorium für Folter- und Kriegsopfer (afk) und erzählen hier, warum sie es machen.



Uns geht es so gut, während andere Menschen leiden und traurig sind! Wieso dann nicht helfen? Eine Kollegin hat mit ihrer Klasse ein Wohltätigkeitsfest organisiert. Das wollten wir auch machen! Wir setzten uns zusammen und tüftelten an einem Konzept. Diese Arbeit machte uns viel Spass. Besonders gefällt uns, dass wir Spass am Projekt haben und dabei gleichzeitig auch noch Menschen helfen.

Was sollen wir unterstützen?
Doch für was wollen wir das Geld spenden? Wir besuchten das Rote Kreuz in Zürich und stellten unsere Idee vor und fragten, welche Projekte wir mit dem Geld unterstützen können. Ursina Mayor, die Verantwortliche des Jugendrotkreuzes Zürich, schlug uns zehn Projekte vor. Danach diskutierten wir die Ideen in unserem sechsköpfigen Team. Drei Mädchen und drei Jungs haben sich uns angeschlossen. Wir entschieden schnell – das Geld soll ans Ambulatorium für Folter- und Kriegsopfer afk gehen! Wir wollen den Kriegsopfer wieder ein Lächeln auf das Gesicht zaubern.

Los geht’s!
Als nächstes mussten wir einen Raum für unser Vorhaben finden. Wir wurden rasch fündig. Das Fest findet im Pfarreizentrum St. Agatha in Dietikon statt. Da unser Fest für einen guten Zweck ist, dürfen wir das Pfarreizentrum kostenlos nutzen. Jetzt, da wir den Ort haben, kümmern wir uns ums Programm. Wir verteilen an alle Klassen unserer Schule Listen. Alle, die etwas beitragen wollen, können sich einschreiben. 20 Gruppen haben sich gemeldet. Wir beide stehen selbst viermal mit verschiedenen Gruppen auf der Bühne.

Für alle etwas dabei
Für die hungrigen und durstigen Mäuler organisieren wir ein abwechslungsreiches Buffet. Wir bieten selbstgebackene Snacks und viele verschiedene Getränke an. Auch organisieren wir eine Tombola. Mit einem Schreiben unseres Lehrers haben wir in Dietikon und Spreitenbach bei verschiedenen Geschäften nach (Geschenken) gefragt. Von Kinogutscheinen über Bücher und Taschen bis zu Kosmetika sind einige Preise zusammengekommen. Die Lose verkaufen wir am Anlass.

Fortsetzung möglich
Wir hoffen beide von ganzem Herzen, dass alles klappt. Hoffentlich ist der Saal gefüllt und die Stimmung toll – und hoffentlich sammeln wir viel Geld! Wenn alles gut läuft, werden wir weitere Wohltätigkeitsfeste organisieren. Andern helfen ist schön!


Wo: Pfarreizentrum St. Agatha Dietikon, Bahnhofplatz 3, 8953 Dietikon
Wann: 5. März 2011, 19h – 23h
Eintritt: Erwachsene 10.- , Kinder 5.-

>>Ambulatorium für Folter und Kriegsopfer SRK
>> Jugend – Mach mit!

Mittwoch, 16. Februar 2011

Swasiland: „Es ist wichtig, die Jugendlichen zu ermuntern“

Msibi Mcebo, ein Rotkreuz-Freiwilliger in Swasiland, erzählte Katharina Schindler vom SRK, wie er zum Aids-Aufklärer wurde.



"Mein Name ist Msibi Mcebo, ich bin 24 Jahre alt und lebe in Swasiland. Ich bin der Jüngste von sechs Geschwistern. Als ich fünf Jahre alt war, starb mein Vater. Er war Minenarbeiter in Südafrika und hatte sich dort vermutlich mit Aids angsteckt. Bei uns im südlichen Afrika ist diese Krankheit leider weit verbreitet.

Wenig später wurde auch meine Mutter krank. Sie konnte sich zeitweise kaum mehr um uns kümmern. Als ich 12-jährig war gab ich die Schule auf, um sie zu pflegen. Ein Jahr später, im Oktober 2000 starb auch sie. Ich war am Boden zerstört. Sie war mein Ein und Alles.

Eine Zeitlang lebte ich dann bei meiner Grossmutter und meinem Onkel. Doch er war aggressiv und hat mich geschlagen. Auch konnte ich nicht mehr zur Schule gehen, weil niemand die Gebühren bezahlte. Ich lief weg und ging von Hof zu Hof, auf der Suche nach Arbeit auf dem Feld und einem Bett zum Schlafen. Manchmal fand ich für eine Weile etwas, dann wieder nicht. So ging es mehrere Jahre.

Durch eine Familie bei der ich unterkam erfuhr ich schliesslich, dass das Rote Kreuz Aids-Waisen unterstützt. Ich ging in die Klinik und erzählte meine Geschichte. Dann ging alles sehr schnell. Zwei Tage später erfuhr ich, dass das Rote Kreuz meine Schulbeiträge und die Uniform bezahlen würde. Ich war überglücklich. Solange ich in der Sekundarschule war erhielt ich zudem Nahrungsmittelpakete, damit ich genügend zu essen hatte und niemandem zur Last fiel. Ich war so dankbar und habe mich in der Schule sehr angestrengt. Ich konnte sogar eine Klasse überspringen.

Heute studiere ich Wirtschaft, nächstes Jahr werde ich meinen Bachelor machen. In der Freizeit engagiere ich mich als Freiwilliger für das Rote Kreuz. Ich kläre Jugendliche über die Gefahren von Aids auf und über die Möglichkeiten, sich zu schützen und Hilfe zu suchen. Es ist wichtig, die Jugendlichen zu ermuntern, viele haben Schlimmes erlebt. Mein Motto laut: Jeden Tag bevor die Sonne untergeht, sollst du etwas Gutes tun."

>>Das SRK in Swasiland

Dienstag, 8. Februar 2011

„Ohne das Rote Kreuz wäre ich längst tot“

Auf Besuch bei einer Aids- und Tuberkulose-Patientin in Swasiland.


Metisa, ein Krankenpfleger des Swasiländischen Roten Kreuzes, macht einen Hausbesuch bei einer Patientin. Zum Glück hat es vorher aufgehört zu regnen, sonst wäre es nicht möglich gewesen, die Schotterstrasse, die in die Nähe von Sibongile Gininzdas einfachem Haus führt, mit dem Auto zu bewältigen. Ein rutschiger Fussweg führt schliesslich steil zum „Homestead“ – einer einfachen Behausung - hinunter, wo die 48-jährige Witwe mit zwei Kindern, einer Enkelin und ihrer behinderten Schwester lebt. Gininzda empfängt den Pfleger in einem Unterstand, der ihr als Küche dient.

Seit anderthalb Jahren weiss die zierliche, ernste Frau, dass sie Aids hat. Letzten Herbst kam dann noch Tuberkulose dazu, „Ohne Behandlung durch das Rote Kreuz wäre ich schon lange tot“, sagt sie. Es fällt ihr schwer, über die schlimmste Zeit zu sprechen, als sie so schwach war, dass sie das Bett nicht mehr verlassen konnte. Nachbarn trugen sie schliesslich den Hang hinauf zur Strasse und organisierten den Transport in die Rotkreuz-Klinik. „Ich war verzweifelt. Was sollte aus meinen Kindern werden, meiner kranken Schwester, meiner kleinen Enkelin? Ohne mich wären sie verloren.“

Zum Glück geht es Gininzda unterdessen viel besser. „Auf die Medikamente hat sie sehr gut angesprochen und sogar schon ein wenig an Gewicht zugelegt“, sagt Metisa, der Pfleger, der sie seit Beginn der Behandlung betreut. Zweimal die Woche besucht er sie (und viele andere Patienten) zuhause, um sicherzustellen, dass es bei der Behandlung keine Probleme gibt.

Seit 2004 bietet das SRK in Swasiland Aids-Therapien an. Zuvor gab es in ländlichen Gebieten keine Behandlungsmöglichkeiten. Drei Kliniken wurden seither vom SRK umgebaut, in deren Einzugsgebiet 30‘000 Menschen leben. Durch die Therapie verändert sich das Leben der Patienten drastisch. Ohne Behandlungsmöglichkeit kam Aids einem Todesurteil gleich. Durch die Therapie erhalten sie wieder eine Perspektive. Seit zwei Jahren wird auch Tuberkulose systematisch getestet und therapiert. Denn Menschen, deren Immunsystem durch HIV geschwächt ist, erkranken sehr oft auch an der hoch gefährlichen Tuberkulose.

Bilder der Arbeit des Roten Kreuzes in Swasiland:





Zu den Gesundheitsproblemen kommt oft die Armut, die durch die Krankheit noch schlimmer wird. Denn wenn, wie im Fall von Gininzda, die Patientin die Lokomotive der Familie ist, bricht ein ganzes System zusammen. Schon der Tod des Mannes hatte zur Verarmung beigetragen. Zur Aids- und TB-Behandlung des SRK gehört deshalb auch ein umfassendes Sozialprogramm, das die Menschen in ihrem schwierigen Alltag unterstützt.

Wo immer es geht versucht Gininzda, sich selber zu helfen. Einen Grossteil der Tage – auch den heutigen - verbringt sie mit Häkeln: Bunte Jupes für kleine Mädchen, die sie an der nahen Durchgangsstrasse zu verkaufen versucht. Auch Brot bäckt sie manchmal, um ein wenig Geld zu verdienen. Im Garten neben dem Haus pflanzt sie Gemüse an. Die Setzlinge hat sie vom Roten Kreuz bekommen.


„Es ist wichtig, dass die Patienten genügend und gesund essen. Sonst ertragen sie die starken Medikamente nicht“, sagt Metisa. Heute hat er das Nahrungsmittelpaket für einen ganzen Monat dabei, mit Reis, Oel und Bohnen. Gininzda strahlt, als sie das Paket entgegennimmt. Es ist das erste Lachen, seit wir da sind. Ich bin froh, dass wir nicht mit leeren Händen gekommen sind.

>>Das SRK in Swasiland

Dienstag, 1. Februar 2011

„Nehmen Sie auch Daueraufträge an?“

„Entwicklungszusammenarbeit von A bis Z“: Im Rahmen der der Samstagsuniversität der Volkshochschule Bern erzählten zwei SRK-Mitarbeiter am 29. Januar 2011 im Foyer des Berner Stadttheaters von ihrer Arbeit.

„Hart, sehr hart“ lautet das Fazit der Schülerin Laura nach dem Film des SRK zur Armutsblindheit in Ghana. Beeindruckt ist Laura vom Schicksal zweier blinder Mädchen im Norden Ghanas, die nach einer Augenoperation erstmals in ihrem Leben sehen – und ein Lächeln wagen. „Nur wenige Kilometer abseits der Verbindungsstrassen leben die Menschen wie im Mittelalter“, erzählt Beatrix Spring, die das Projekt „Altgold für Augenlicht“ mitbegründet hat. Das Trinkwasser kommt aus einem grünlichen Tümpel, gegessen wird zerstampftes Pflanzenmus. Mangelernährung, schlechte Hygiene und wiederholte Bindehautentzündungen lassen bereits Kinder erblinden. Und wer nichts mehr sieht, hat keine Chance mehr. „Deshalb ist es so wichtig, gegen die Armutsblindheit etwas zu unternehmen“. Rechnet man die Kosten des SRK-Projektes aus, kommt eine Augenoperation auf rund 50 Franken. Die Argumente von Beatrix Spring berühren und überzeugen eine Dame im Saal vollends: „Nehmen Sie Spenden auch als Dauerauftrag an?“


Augenkontrolle in Ghana, ©SRK, TextBildWerkStatt, Hilde Eberhard, Uznach

„Und was kostet eine Brille in Togo?“ will ein älterer Herr vom Projektverantwortlichen für Ghana, Togo und Mali, Josef Kasper wissen. „Fünf Franken, dank der Tatsache, dass viele Optiker alte Gestelle oder Werkzeug spenden.“ Hunderte von Freiwilligen testen die Sehkraft von Gross und Klein in ihren Dörfern. Wer nicht genug sieht, bekommt eine Brille. „Das Misstrauen ist manchmal gross“, erzählt Josef Kasper, “kaum jemand weiss, was eine Brille ist. Doch wenn die Menschen wieder sehen und arbeiten können, geht es ihnen viel besser.“


Sehtest in Togo ©SRK, Josef Kasper

Basisgesundheit ist ein wichtiger Schwerpunkt des SRK. Gemeinsam mit lokalen Organisationen und tausenden von Freiwilligen trägt das SRK in Togo zur Gesundheitsförderung bei. Josef Kasper erzählt: „Manchmal braucht es nur ganz wenig, ein Menschenleben zu retten. Ein simples Moskitonetz für sechs Franken schützt Mutter und Kind vor der Ansteckung mit Malaria. Und eine Lösung aus sauberem Trinkwasser, einem Löffel Salz, einem Löffel Zucker können einem an Durchfall erkrankten Kleinkind das Leben retten.“ Nach dem Abschluss des Vortrages hat eine Besucherin noch einen Wunsch an das SRK: „Sie müssen noch viel mehr darüber informieren, was Sie mit Ihrer Arbeit alles erreichen.“

>>Helfen Sie gegen Armutsblindheit