Freitag, 23. September 2011

Freundschaftscamp in Österreich: Eine Erfahrung fürs Leben

Stella von der Help-Samariterjugend verbrachten im Juli zwei Wochen im „International Study and Friendship Camp“ des Österreichische Jugendrotkreuz. Sie erzählt, wie sie das Camp erlebt hat.


Stella (links) mit ihren Internationalen Freunden

Der Empfang im Freundschaftscamp war überwältigend. Uns schwappte eine Welle aus etwa dreissig Händen entgegen. Diese Welle wurde im Verlaufe des Tages immer grösser – dank den neu eingetroffenen Lagerteilnehmenden. Sofort fühlten wir uns der internationalen Rotkreuz-Familie angehörig.

Für jeden etwas dabei
Das Lagerprogramm war sehr vielfältig, spielerisch und lehrreich. Beispielsweise mussten wir in Gruppen ein fiktives Traumland bilden. Welche Klischees hat unser Land? Wie ist die wirtschaftliche Situation? Wie gehen wir mit Armut um? Einige identifizierten sich so stark mit ihrem Traumland, dass sie ein richtiggehend Nationalgefühl entwickelten. Noch Tage nach dem Workshop wurde ich gefragt, wie es denn mir als Bürgerin von der demokratischen Republik Scafvd ging (mein Traumland).
Auf dem Programm standen auch Ausflüge. In der ersten Woche besuchten wir Wien. Innert wenigen Tagen haben wir gute Freunde gefunden und konnten nun einen Tag viel Zeit miteinander verbringen. Gemeinsam Sehenswürdigkeiten bewundern oder einfach nur shoppen gehen – völlig egal. Freundschaft vertiefen war angesagt.

Das Attentat von Norwegen erschüttert alle
Die Lagerzeit war wirklich atemberaubend. Wir verfielen in einen Zauber - aus dem wir wohl nie mehr herauskommen. Er ist kaum zu beschreiben, denn Worte alleine reichen nicht aus. Es waren zwei eindrückliche Wochen. Die einen Momente unglaublich faszinierend, andere lustig oder lehrreich, aber es gab auch schlechte Tage. Genau an solchen Tagen haben wir festgestellt, wie eng unsere Freundschaften sind.
Das Attentat in Norwegen erschütterte alle Welt. Wir weiten und trauerten mit den zwei Teilnehmerinnen aus Norwegen von ganzen Herzen. Die folgenden Tage waren für die zwei Mädchen schwer, aber dank ihren neuen Freunden verloren sie ihr lachen doch nicht ganz. Die Schweigeminute, welche einen Tag nach dem Schrecken stattfand, hätte auch problemlos eine Stunde dauern können.
Das Lagerende naht viel zu schnell
Am allerletzte Abend fielen die letzten Hemmungen. Man munkelt, dass alle mindestens eine Träne vergossen hatten – sogar die härtesten Jungs. Diesem Gerücht kann man ruhig Glauben schenken. Niemand weiss, wie viele Male er alle zum Abschied umarmt hat. Der Abschied fällt uns allen unglaublich schwer. „Partir c’est mourir un peu.“ Doch wir alle wissen eins: der Geist dieses Lagers und unsere Freundschaft lebt in unserem Herzen und folgt uns, wo auch immer wir hingehen.


Im Lager waren Jugendlichen aus der ganzen Welt dabei


Jugendrotkreuz
Help Samariterjugend

Dienstag, 13. September 2011

Ich bin Fan vom Roten Kreuz: So entstanden die TV-Spots

Die Fan-Kampagne des SRK findet viel Beachtung. Produziert wurde sie unter anderem in Haiti. Improvisieren war gefragt.

Es ist drückend heiss in Palmiste-à-Vin. 37 Grad am Schatten. Caspar Martig und Anja Elvers, die für das SRK die Aufnahmen zur „Ich bin Fan vom Roten Kreuz“-Kampagne machen, schleppen über einen schmalen Pfad das Material herbei: Kamera, Stativ, Reflektoren, Laptop.

Drehort ist ein improvisiertes Studio unter freiem Himmel, an der Rückseite eines der Häuser, die das SRK in dem haitianischen Bergdorf nach dem Erdbeben gebaut hat.

Hier werden die Aufnahmen gemacht.

Cherlyne Abélus wartet schon. Ihre Familie hat beim Erdbeben vom Januar 2010 das Zuhause verloren. Ihr kleiner Sohn geriet unter die Trümmer und brach sich ein Bein. Doch jetzt ist er wieder wohlauf. Seit einem halben Jahr schon wohnt die Familie in einem der insgesamt 600 Häuser, die das SRK in Palmiste-à-Vin baut.

Die junge Frau hat sich als Model zur Verfügung gestellt – natürlich unbezahlt: „Das mache ich gerne. Ich habe vom SRK Hilfe in grosser Not bekommen. Wenn ich jetzt etwas fürs Rote Kreuz tun kann, macht mich das glücklich“, sagt Cherlyne.

Jetzt wird das „Studio“ eingerichtet. Improvisieren ist gefragt. Die Lichtverhältnisse sind schwierig. Mit grossen Klammern befestigen wir den Reflektor am Wellblechdach. Ein Backstein hilft, das Stativ zu erhöhen. Von der Familie, die gleich nebenan wohnt, erhalten wir einen Stuhl.


Anja macht sich ans Schminken: Ein rotes Kreuz auf weissem Grund malt sie Cherlyne auf die Wange. Eine gute Gelegenheit, ins Gespräch zu kommen. Anja stellt Fragen, macht Scherze, bringt Cherlyne zum Lachen. Das lockert auf.


Unterdessen hat Caspar die Kamera eingestellt. Alles ist bereit, Film ab. Für die TV-Spots sagt Cherlyne auf Kreolisch den Satz, den sie vorbereitet hat: „Ich bin Fan vom Roten Kreuz, dank ihm habe ich wieder ein Dach über dem Kopf.“


So locker sie vorher war: jetzt ist sie nervös. Es gelingt ihr nicht auf Anhieb, entspannt zu lächeln. Erschwert wird das Ganze durch die nahe Strasse, die unerwartet verkehrsreich ist. Immer wieder rauscht während der Aufnahmen ein Lastwagen vorbei. Es wird laut gehupt, dann muss man abbrechen, neu anfangen.

Doch zuletzt, nach acht oder neun Versuchen, ist alles im Kasten. Wunderbar. Am Nachmittag werden Caspar und Anja weitere Aufnahmen machen. Aber sie suchen einen neuen Standort, weiter weg von der Strasse.


Katharina Schindler, SRK
Das SRK in Haiti

Dienstag, 6. September 2011

Nubya in Haiti

Fünf Tage lang bereiste die Sängerin Nubya, die neue Botschafterin des SRK, Haiti. Ihre Eindrücke hat sie in einem kurzen Tagebuch festgehalten.


Freitag, Léogâne
Soviel kann man in einem Tag erleben! Erst noch war Haiti nur eine Vorstellung in meinem Kopf, jetzt bin ich da. Nach langer Reise landete ich frühmorgens in Port-au-Prince. Am Flughafen bereits die erste Überraschung: Eine Band empfing die Besucher mit traditioneller Musik. Das hat mich sehr berührt, ein wirklich schöner Empfang.

Später die Fahrt in die Küstenstadt Léogâne. Drei Stunden lang ziehen am Autofenster Bilder vorbei, die schwer zu fassen sind. Trümmer überall, Märkte zwischen Abfallbergen und Pfützen, Menschen, die in dieser apokalyptischen Umgebung ihren Alltag leben.


In Léogâne empfangen mich Olivier und Daniel, zwei Delegierte des SRK. Wir besuchen eine Tuberkulose-Klinik, die von katholischen Schwestern geführt wird. Noch heute sind die Patienten in riesigen Zelten untergebracht, die ihnen das Rote Kreuz gleich nach dem Erdbeben zur Verfügung stellte. Soeur Chantal (siehe Foto) führt uns herum. Sie erklärt, wie froh sie für die Hilfe ist, aber auch, dass vieles nicht gut läuft. Der Wiederaufbau des Spitals, den ihr eine japanische Organisation zugesichert habe, komme nicht voran. Mir gefällt diese resolute Frau, die bei aller Dankbarkeit ganz klar ihre Meinung sagt.


Samstag, Palmiste-à-Vin
Heute habe ich das Dorf besucht, das vom SRK wieder aufgebaut wird. Die Hälfte der 1200 Familien hat ihr Haus beim Erdbeben verloren. Sie bekommen ein neues, sturmsicheres Haus. 400 Häuser stehen bereits. Wo immer ich hinkomme, werde ich herzlich begrüsst und herein gebeten. Ich staune, wie die Menschen unter schwierigsten Bedingungen den Mut nie verlieren.


Später werde ich von einer Gruppe Schüler und Schülerinnen erwartet. Sie haben von meinem Besuch gehört und wollen mit mir zusammen singen. Es braucht einen Moment, bis sie auftauen. Aber dann merke ich, wie sehr sie sich freuen. Es freut mich, dass ich ihnen mit meinem Lied einen schönen Moment schenken kann. Der Dorflehrer bittet mich, ihm meine neue CD zu schicken. Das werde ich tun, sobald ich wieder zurück bin!


Sonntag, Port-au-Prince
Im Vergleich zu Port-au-Prince war es in Palmiste-à-Vin idyllisch. Die Stadt ist so riesig und so kaputt! Stundenlang fährt man über holprige Strassen, die Trümmer scheinen kein Ende zu nehmen. Manche Orte sehen aus, als ob das Erdbeben erst vor zwei Wochen geschehen sei. Unvorstellbar, wie es hier vor anderthalb Jahren aussah!

Es gibt aber auch Häuser, die noch intakt sind. Man sieht deutlich, welchen Unterschied es macht, ob ein Haus gut oder schlecht gebaut wurde. Wir fahren an der Kathedrale vorbei, die komplett zerstört ist. Auch am Präsidentenpalast. Die Wucht des Erdbebens wird mir nochmals richtig bewusst.


Montag, Port-au-Prince
Heute besuchen wir die Basis der Internationalen Roten Kreuzes. Aus allen Ländern hat es Rotkreuz-Helfer. Toll, wie all die Nationen zusammen arbeiten! Zum Teil leben die Helfer und Helferinnen seit Monaten in Zelten, ohne Privatsphäre. Das braucht Idealismus.

Ich besuche ein Camp, wo noch immer 18‘000 Menschen leben. Das Rote Kreuz kümmert sich um die Wasserversorgung, alles scheint gut organisiert. Es ist eine richtige Stadt, mit Geschäften, Treffpunkten, Schulen. Es wird nicht leicht sein, die Camps eines Tages wieder aufzulösen. Wie wird Port-au-Prince in zehn Jahren aussehen? Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Trümmer jemals weggeräumt sind. Es hat zu viele.

Dienstag, Rückreise
Ein letztes Frühstück im Hotel, dann heisst es Abschied nehmen. Ich habe viel gesehen, viel gelernt auf dieser Reise, vor allem mit dem Herzen. Haiti – ich nehme viele Erinnerungen mit. Nicht nur an Trümmer und Armut. Sondern vor allem an Menschen, die nie aufgeben und unter schwierigsten Umständen ihre Würde bewahren. Als SRK-Botschafterin setze ich mich dafür ein, dass sie nicht vergessen gehen.

Das SRK in Haiti
SRK-Botschafterin Nubya in Haiti