Freitag, 28. Oktober 2011

Leuchtende Kinderaugen in Moldawien

Die Geschenke der Aktion 2 x Weihnachten 2010/11 wurden unter anderem in Moldawien verteilt. SRK-Mitarbeiterin Wanda Arnet hat die Reise zur Bescherung begleitet und ihrerseits bleibende Eindrücke mit nach Hause genommen.

Es ist immer wieder spannend, bei der Verteilung der Geschenke von 2 x Weihnachten dabei zu sein. Dieses Jahr geht die Reise nach Moldawien - mein erstes Mal in diesem Land. Obwohl ich vorher wusste, dass Moldawien das ärmste Land Europas ist, bin ich schockiert über die Armut. Vor allem auf dem Land: Die Kinder wirken verwahrlost, viele haben keine Schuhe. Die Frauen holen Wasser beim Dorfbrunnen, weil es zuhause kein fliessendes Wasser gibt. Die Stimmung ist bedrückt.


Ich bin zusammen mit Zahra Darwishi von der Credit Suisse und Monika Tschopp von der Allianz Suisse unterwegs. Auch Vertreter der Schweizerischen Post begleiten die Reise. Diese Wirtschaftspartner unterstützen die Aktion 2x Weihnachten seit vielen Jahren. Auch sie sind tief beeindruckt von dem, was sie in Moldawien erleben.


Wir besuchen eine Familie, die Geschenke aus der Aktion 2 x Weihnachten erhält. Mir fallen die vielen Kinder auf. Als ich mich erkundige, erklärt die Gastgeberin, dass nur drei ihre eigenen sind. Die anderen gehören der Schwester, die im Ausland arbeitet.


Im nächsten Haus, das wir besuchen, ist es die Grossmutter die auf zahlreiche Enkel aufpasst, deren Eltern weg sind. Ich frage eines der Mädchen, wann es seine Mutter und seinen Vater zum letzten Mal sah: „Vor zwei Jahren“, antwortet es. Sämtliche Familien, die wir besuchen, sind extrem dankbar für die Geschenke aus 2x Weihnachten. Nudeln, Spielsachen, Seifen – alles können sie brauchen.


In Larga, im Norden des Landes, besuchen wir ein Kinderheim. Hier leben 25 Kinder aus besonders schwierigen Verhältnissen. Die Heimleiterin bemüht sich rührend - aber es fehlt an so vielem. Vor allem um Hygieneartikel ist sie froh. Es sei nicht leicht, mit nur einem Badezimmer die Kinder sauber zu halten.


Natürlich werden auch Spielsachen, Schreibzeug und Esswaren dankbar entgegengenommen.


Der Besuch im Kinderheim geht uns allen sehr nahe. Zurück in der Schweiz entscheidet die Allianz, dass sie das Kinderheim mit einem namhaften Betrag unterstützen will. Vielleicht reicht das für ein zweites Badezimmer oder die Renovation der veralteten Küche. Herzlichen Dank.

Wanda Arnet, SRK

2xWeihnachten 2010/2011: Was geschah mit den Spenden?
Josef Reinhardt, Leiter der Aktion 2xWeihnachten beim SRK, gibt hier einen Einblick über die Verwendung der Spenden und Spendengelder:

"Die Aktion 2xWeihnachten 2010/2011 generierte die gewaltige Menge von 72‘000 Pakete im Gesamtgewicht von 402'691 kg. In der Schweiz wurden durch unsere Kantonalverbände 253'366 kg verteilt, 149'325 kg. gingen ins Ausland: Weissrussland erhielt 82'133 kg., nach Moldawien gingen 35'019 kg., nach Bosnien und Herzegowina 23'388 kg. und 8'785 kg. gingen in andere Länder.
Um diese gewaltige Spendenflut zu bearbeiten, haben insgesamt 993 Personen während 10'660 Stunden für das Projekt unentgeltlich gearbeitet und dadurch überhaupt die Aktion möglich gemacht."


Die Aktion 2 x Weihnachten läuft dieses Jahr vom 24. Dezember 2011 bis 7. Januar 2012. In dieser Zeit nimmt die Post gratis Pakete entgegen. Hier erfahren Sie, welche Artikel besonders gefragt sind. Sie werden auch online ein Paket spenden können, und zwar sicher und einfach auf 2xWeihnachten.ch. Es gibt ausserdem eine Facebook-Seite, auf der Sie regelmässig über den Stand der Aktion informiert werden. Werden Sie noch heute Fan!

Das SRK in Moldawien

Mittwoch, 19. Oktober 2011

Splügen: Menschlichkeit machte Schule

Julia Zurfluh, Mitarbeiterin des Kompetenzzentrums Jugend SRK, besuchte im Rahmen des Projekts „positive action – Menschlichkeit macht Schule“ die Oberstufe in Splügen/GR. An einem Nachmittag stellte sie den Schülerinnen und Schüler das Rote Kreuz vor.

Nach einer Reise mit Zug und Postauto über Stock und Stein wurde ich herzlich im kleinen Schulzimmer in Splügen empfangen. Ziel dieses Nachmittages: die Oberstufe Splügen ins Rote Kreuz einführen. Und sofort ging’s los. Alle Schülerinnen und Schüler bekamen von mir einige rote Teilchen. Daraus sollten sie etwas formen, was mit dem Thema meines Schulbesuches zu tun hat. Ohne einen Hinweis zu geben, formten die Jugendlichen rote Halbmonde. Die Klasse behandelte nämlich in der vorangehenden Stunde bereits die Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung und ist top informiert. Oder hätten Sie sich erinnert, dass in Persien für eine zeitlang ein roter Löwe als Rotkreuz-Zeichen diente? Ein Schüler wusste es!

Was könnte das wohl für eine Rotkreuz-Aktivität sein?

Sich in Henry Dunant versetzen
Die Klasse verfolgte den Film im Comic-Stil über die Schlacht von Solferino und die Entstehung des Roten Kreuzes aufmerksam. Henry Dunants Engagement beeindruckte sie sehr. Beim anschliessenden Rollenspiel mussten sie sich in Henry Dunant versetzten – und befolgten unbewusst die Regeln des humanitären Völkerrechts.

Ein „Verletzter“ kommt sicher im Spital an

Bei einer gespielten Schlachtszene mussten die Soldaten Verwundete ins Spital bringen. Ein paar Rotkreuz-Beobachter kontrollierten den Ablauf. Alle „Verletzte“ kamen im Spital an, egal ob Feind oder von der eigenen Armee, in der Reihenfolge der medizinischen Dringlichkeit. Die Klasse hat das humanitäre Völkerrecht begriffen.

Gemischtwarenladen Rotes Kreuz
Doch was macht eigentlich das Rote Kreuz? Die Entstehungsgeschichte und das humanitäre Völkerrecht kennen die Jugendliche ja nun. Jetzt war es an der Zeit, auch über die konkreten Aktivitäten des Roten Kreuzes im In- und Ausland zu sprechen. Ich legte einige Fotos auf den Boden. Jede Schülerin und jeder Schüler durfte sich eines auswählen. Anschliessend erzählte jeder einzelne, weshalb dieses Bild ausgewählt wurde und um welche Rotkreuz-Aktivität es sich handelt. Die Aufgabe leisteten sie meisterhaft. Die Klasse wurde sich über die Bandbreite der Rotkreuz-Einsätze bewusst.

Erklärung für mehr Menschlichkeit
In der Stunde zuvor haben die Schülerinnen und Schüler eine „Erklärung für mehr Menschlichkeit“ aufgestellt. Jeder einzelne hat sich überlegt, was er oder sie zu einer menschlicheren Welt beitragen kann und es ausgeschrieben. Ich bin überzeugt, dass die Jugendlichen ihre Versprechungen einhalten werden! In Splügen hat Menschlichkeit wirklich Schule gemacht.


Mehr zum SRK-Schulprojekt „positive action – Menschlichkeit macht Schule“ auf www.redcross.ch/schule .

Mittwoch, 12. Oktober 2011

Statt Herbstferien Cholera-Einsatz in Tschad

Sabine Hediger verbringt drei Wochen im zentralafrikanischen Tschad, wo im September die Cholera ausgebrochen ist. Dort ist die SRK-Hebamme auch als Dolmetscherin gefragt.


Der Zufall wollte es, dass die Anfrage des SRK bei Sabine Hediger für den Einsatz in Tschad zu jenem Zeitpunkt eintraf, als für ihre vier schulpflichtigen Kinder Herbstferien angesagt waren. Deshalb konnte sie ihnen und ihrem Mann im luzernischen Oberkirch besser zumuten, während drei Wochen alleine auszukommen. Im Umgang mit einer Choleraepidemie hat die Hebamme Erfahrung, denn bereits Anfang dieses Jahres wirkte sie für einige Wochen in der SRK-Choleraklinik in Haiti.

Sabine Hediger vor dem Zeltlager in Mongo

Während sie in Haiti die Cholerakranken pflegte, sieht ihr Arbeitsalltag in der Region Mongo in Tschad etwas anders aus, wie uns die Hebamme am Telefon schildert: „In dem vom Roten Kreuz eingerichteten Feldspital in der Stadt Mongo gibt es genügend tschadisches Pflegepersonal. Ich konzentriere mich auf die Aufklärung und Ausbildung, um dadurch eine langfristige Wirkung zu erreichen“, sagt Sabine Hediger.

Beim Desinfizieren

Bereits haben 30 Freiwillige „ihren“ Kurs über Hygiene besucht, und sie freut sich über die Motivation der Leute. „Unter den Freiwilligen hat es viele Lehrer, die nun ihr Wissen an die Menschen in den Quartieren und in den Schulen weitergeben. Sie demonstrieren beispielsweise bei Hausbesuchen, wie wichtig es ist, die Hände regelmässig zu waschen oder die Latrinen besser zu reinigen“.

Pflege eines cholerakranken Kindes

Die letzten Tage ihres Einsatzes wird sie in der Kleinstadt Bitkin verbringen, wo die Cholerafälle zugenommen haben und wo das Rote Kreuz ein Zelt als Krankenstation einrichtet.
Sabine Hediger ist vielseitig. So reichen die Fremdsprachenkenntnisse der Deutschschweizerin weit genug, um ihrer australischen Kollegin, die kein Französisch spricht, auch noch als Übersetzerin vom Französisch ins Englische zu dienen.

Bei einem cholerakranken Kind

Text: Karl Schuler, SRK; Fotos: International Federation of Red Cross and Red Crescent Societies/Julie GarlenqDas Ausland-Engagement des SRK

Montag, 3. Oktober 2011

Pakistan: Wie verbringt man den Sonntag in Hyderabad?


Mark Ita leitet neu das Koordinationsbüro des Schweizerischen Roten Kreuzes in Pakistan. Die Wochentage verbringt er in dem in der Provinz Sindh gelegenen Dadu, wo das SRK mehrere von den schweren Fluten zerstörten Dörfer wiederaufbaut. Am Sonntag erholt er sich mit Kolleginnen und Kollegen in der Wohnung in der Stadt Hyderabad.

Hyderabad ist eine grosse Stadt, mit über einer Million Einwohnern die fünftgrösste Pakistans. Sie ist eine City mit wenig Charme, aber viel Verkehr und Abfall in den Strassen. Wer also gerne im frisch gebügelten Hemd einen gemütlichen Spaziergang vor dem Apéro machen möchte, sieht sich hier enttäuscht – nicht nur wegen des fehlenden Weissweins.

Nein, der Sonntag muss hier anders angepackt werden, soll er nicht auf ein Erlebnis vor dem Bildschirm zusammenschrumpfen. Auf Empfehlung von Haidar, unserem Fahrer, lassen meine Kollegin Melody und ich uns zum Museum fahren, wo wir uns erwartungsvoll auf die „Heritage of Major Civilization Known, Indus Valley Culture" einlassen.

Melody, Mark und Haidar

Dieses Museum in Hyderabad dokumentiert die Ausgrabungsstätte einer der ältesten bekannten Zivilisationen der Erde, Mohenjo Daro. Diese befindet sich nördlich unseres Projektgebiets im Dadubezirk in der Nähe der Stadt Larkana, Wir waren also gespannt. Nun, es war ein surrealer Gang durch ein verfallendes Gebäude, das in den 1950er Jahren entstanden und stehengeblieben war und seither buchstäblich verstaubt. Trotzdem kamen Besucher und bezahlten 5 Rupees (ca. 4 Rappen) Eintritt.


Der Strom fiel aus und wir tappten in einen dunklen Raum, wo eine Ausstellung russischer Fotographen angekündigt war. Ein Schatten sprang auf und rief begeistert ‚come, please come!‘. Ein kleiner Mann mit schmutzigem Hemd kam auf uns zu und deutete uns in der Urdu-Sprache an, dass er uns etwas zeigen wolle. Es war der Kurator des Museums. Er zeigte uns seine Sammlung alter Türen, die er über die Jahre gefunden hatte und erzählte uns, was er nun für eine Ausstellung damit machen und welches Dekor er dazu malen wolle.


Seine Liebe zum Detail, seine Hingabe zur Materie, seine Freude beim Erzählen, die Würde in seiner Kompetenz fand ich erhebend. Sie standen in einem krassen Gegensatz zur tristen Umgebung. Voller Stolz führte er uns in seine Werkstatt und durch die Fotoaustellung der russischen Künstler. Wir verabschiedeten uns von diesem Herrn mit einer gewissen Demut im Herzen.

Der Kurator und Mark Ita

Nun wagten wir uns zu einem Einkaufsbummel durch die Strassen Hyderabads unweit unseres Büros. Eselskarren, Motorräder, Tuktuks, Autos wirbelten im Vorbeifahren den Staub auf, der sich auf die Früchte und Gemüse der Marktstände am Strassenrand legte. Vorne kreisten gutgenährte Bussarde über den Gassen, sausten zwischendurch hinab, um sich zufrieden mit etwas im Schnabel auf den umliegenden Dachrändern niederzulassen und auf uns hinabzuspähen. Wir sind auf dem Hühnermarkt, wo offen und hemdsärmlig das verrichtet wird, was bei uns in hygienischen Fabriken industriell im Verborgenen geschieht: Lebende Hühner werden zu Poulets verarbeitet. Kein Anblick, der Hungergefühle weckt, der Geruch tut das seine dazu.


Erleichert flüchten wir uns in den schön gekühlten Supermarkt an der nächsten Strassenkreuzung, wo wir uns vertraute Produkte aus den sauberen Regalen holen, wie z.B. die „Chicken Cubes" von Knorr „with real Chicken".


Zuhause angelangt, waschen wir das Gemüse und die Früchte und planen unser Dinner – ohne Chicken.
Mark Ita, Sonntag, 2.10.2011