Montag, 21. November 2011

Unser Post Office in Pakistan

Das Schweizerische Rote Kreuz unterstützt die Einwohner von drei Dörfern, deren Häuser in den Fluten von 2010 fortgeschwemmt wurden, beim Wiederaufbau. Die Dörfer liegen unweit der Ortschaft Khaipur Nathan Shah, kurz „K.N. Shah“ genannt. Mark Ita, SRK-Delegierter in Pakistan, erzählt, wie beim Aufbauprogramm Geldüberweisungen bei der Post funktionieren.

Das Städtchen ist ein staubiger Ort mit reger Betriebsamkeit, unzähligen Eselskarren, Motorrädern, Marktständen, mit vielen drängelnden, marktschreienden und hupenden Menschen.


Inmitten der Reisfelder des Industals gelegen, erfüllt es die Funktion eines regionalen Zentrums. Eine wichtige Institution auch für uns hier ist die Post.


Als unser administrative Verantwortliche Shazhad mir vorschlug, der Post einen Besuch abzustatten, ging mir in Gedanken das Bild einer polierten und wohl organisierten schweizerischen Poststelle durch den Kopf. Die Konfrontation mit der Realität war jedoch ein Sprung in eine andere Zeit. Wir schritten an schwer vergitterten Fenstern vorbei, vor denen sich Menschen versammelten und Papiere durch die Gitterstäbe reichten.


Wir klopften an eine massive alte Holztüre. Das erste, was ich sah, war der Lauf einer alten Kalashnikov durch den sich öffenenden Spalt, dem ein vorsichtig herausspähender Security-Guard mit grossem Schnurrbart folgte. Die ganze Szene erinnerte mich lebhaft an einen meiner Lieblingsfilme. Es fehlte nur noch der langezogen melancholische Klang der Mundharmonika zum Untermalen.


Im Innern angelangt, musste ich mich einen Moment an die vielen Leute gewöhnen, die emsig an Tischen Listen schrieben, ID-Karten prüften und zwischen Bergen von handgeschriebenen Listen und mit Gummibändern zusammengehaltenen Schecks und Geldnoten sassen. Die einzige sichtbare Elektronik waren zwei kleine Tischrechner und die Handys der Leute. Bildschirme und Computer suchte ich vergebens. Hier wird noch solide Handarbeit verrichtet, vom Schreiben bis zum Stempeln. Und die Stempel stammten mindestens aus der Zeit, als mein Grossvater seine Typographenlehre absolvierte.


Ein seriös und geduldig wirkender Postmaster empfing mich freundlich mit festem Handschlag an einem kargen Holztisch, der ihm als Pult diente. Dildar Hussain trägt die Verantwortung, dafür, dass alle Geldtransaktionen in diesem Städtchen sauber und korrekt abgewickelt werden. Auch wenn mir die Frage kommt, wie er die Übersicht über all diese Papiere hält, habe ich keine Zweifel, dass Dildar Hussain seinen Laden im Griff hat. Wie ein Fels in Brandung überwacht er seine Leute, erteilt Anweisungen und findet eine Minute, mit mir eine Tasse Tee zu trinken.


In unserem Projekt bauen die Menschen ihre Häuser selber. Sie kaufen auch das Baumaterial selber ein. Dazu gibt ihnen das SRK Geld – für jede definierte Bauphase eine Tranche. Aber nicht bar, sondern mit einer Scheckanweisung.


Jeder Familienvorstand in unserem Bauprogramm musste bei der Post eine Konto eröffnen, auf welchem die Post das Geld der eingelösten Schecks gutschreibt. Mit diesem Verfahren stellen wir sicher, dass das Geld an die richtige Person kommt und zweckbestimmt verwendet wird. Es hat sich nach sorgfältigen Abklärungen bei vielen Finanzinstituten gezeigt, dass einzig die Post diese Aufgabe verlässlich bewältigen kann – und erst noch kostenlos.


Es geht nicht schnell, aber unsere Erfahrung seit Beginn der Bauarbeiten hat gezeigt, dass es zur Zufriedenheit aller klappt.


Dank der pakistanischen Post und verantwortungsvollen Persönlichkeiten wie Dildar Hussain kommt unser Bauvorhaben mit stetem Schritt voran. Mit den richtigen Partnern geht es auch ohne Bildschirme.

Mark Ita, SRK-Delegierter in Pakistan

Das SRK in Pakistan

Mittwoch, 16. November 2011

Globi und die Schmuck-Ausstellung

Vom 11. bis 13. November 2011 hat das SRK die wertvollsten Schmuckstücke aus dem Projekt „Altgold für Augenlicht“ in Bern ausgestellt. SRK-Mitarbeiterin Annette Godinez hat mit ihrem 3-jährigen Sohn die Ausstellung besucht.
„Mama, kommt der Globi auch an die Ausstellung vom Roten Kreuz?“ Joel schaut mich erwartungsvoll an. Ich erkläre ihm, dass Globi heute nicht im Mittelpunkt stehe, sondern alles, was glitzert, glänzt und funkelt: Ohrringe, Ketten, Broschen, Fingerringe,... „Ach so!“, ruft der kleine Mann altklug und macht sich trotz der kleinen Enttäuschung an, ein paar Baumnüsse, ein Taschentuch und einen Pinguin einzupacken. Er scheint eine klare Vorstellung zu haben, von dem, was uns im Möbelgeschäft MEER WOHNEN in der Berner Altstadt erwartet.


 Vom 11. bis 13. November 2011 hat hier das SRK seine Schmuck-Kollektion ausgestellt. Alle ausgestellten Schmuckstücke sind dem Projekt „Altgold für Augenlicht“ gespendet worden. Mit dem Erlös aus dem Verkauf ermöglicht das SRK Hilfe für blinde und sehbehinderte Menschen in Afrika und Asien.

Als wir ankommen, hat Sara von Moos, die als Freiwillige den Schmuckverkauf betreut, bereits alle Hände voll zu tun. Jedes einzelne Schmuckstück soll schön präsentiert werden und zur Geltung kommen. Auch Miss Earth Schweiz 2010, Liza Andrea Kuster, hilft tatkräftig mit. Sie hat in ihrem Wahljahr das Projekt unterstützt und viele junge Menschen dazu animiert, für „Augenlicht schenken“ zu spenden.


„Bei dieser Ausstellung mitzuwirken, bedeutet mir viel“, sagt Liza, die nun als Moderatorin und Model für Nachhaltigkeit arbeitet. „Glitzer und Glamour für einen guten Zweck – das widerspiegelt die Philosophie, die mich bereits als Miss Earth Schweiz überzeugt hat.“


Liza trägt selber Kontaktlinsen und weiss aus eigener Erfahrung, wie rasch die Lebensqualität eingeschränkt ist, wenn man nicht gut sieht. „Es ist mir deshalb ein grosses Anliegen, „Altgold für Augenlicht“ zu unterstützen und mich für das Rote Kreuz und seine lange humanitäre Tradition einzusetzen“.

Während ich mich mit Liza unterhalte, macht Joel eifrig Notizen von unserem Gespräch – damit ich später noch wisse, was „die grosse Frau“ gesagt habe. Er hat bei Katharina von Samson, die ebenfalls ihren Schmuck ausstellt, viele Sugus-Täfeli entdeckt und darf sich eines davon nehmen.



Zuhause erzählt er seinem Vater, dass Globi eben nicht gekommen sei ins Rote Kreuz, dafür „eine rote Frau“. Als ich später Joels Jackentasche leere, finde ich nebst den Baumnüssen drei blaue Sugus.


Die Ausstellung und der Verkauf verlaufen erfolgreich. Mit dem Erlös können rund 200 blinde Menschen operiert und wieder sehend werden. Ein unvorstellbares Geschenk.