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Montag, 4. März 2013

Selbst die Autopanne führt zum Glas Tee

Gastfreundschaft wird in Jordanien  auch in Zeiten der Krise hochgehalten. Im Alltag ist die Einladung zum „Tschai“, dem heissen Teegetränk, der Ausdruck davon. Ob im Flüchtlingslager oder gar bei der Autopanne.
Karl Schuler, SRK











Wir sind in Begleitung der Freiwilligen des Jordanischen Roten Halbmondes auf dem Weg von der Hauptstadt Amman in den Norden des Landes. Dort wollen wir syrische Flüchtlingsfamilien besuchen. In einer Steigung auf der gut ausgebauten Hauptstrasse kommt eines der beiden Fahrzeuge plötzlich ins Stottern und die Fahrt muss unterbrochen werden, damit sich der heissgelaufene Motor erholen kann.

Der Zufall will, dass die Panne auf der Höhe einer Landschaftsgärtnerei passiert. Ein langgezogenes Landstreifen mit Palmen- und Olivenbäumen en miniature zu Hunderten, die den eiligen Passanten zum Verkauf angeboten werden.

Ein Olivenbäumchen für die Schweiz

Der Besitzer des Gartens stellt sich als Mister Hussein vor und schlägt spontan vor,  die Zeit des Wartens mit einem Tee zu versüssen. Und schon ist er im Schuppen verschwunden, um fünf Minuten später auf einem Tablett acht dampfende Teegläser für uns alle anzubieten.


Dieser Olivenbaum soll 1‘000 Jahre alt sein, sagt uns Mr. Hussein.


Dass wir aus der „Swizra“, der Schweiz kommen, freut mr. Hussein besonders. Als ich eine Olivenpflanze kaufen will, weigert er sich energisch, etwas dafür anzunehmen. Inzwischen hat das Olivenbäumchen die Reise gut überstanden und wird mich immer an die spontane Begegnung erinnern. Während sich Mister Hussein wohl am Schweizer Sackmesser freut, das ich ihm offerierte.

Tee auch bei den Flüchtlingen

Das Tee-Ritual setzt sich auch während des Besuches der Flüchtlingsfamilien forts. Die grosse Mehrheit der 350‘000 syrischen Flüchtlinge lebt In karg eingerichteten Wohnungen vor allem in den nördlichen Städten Irbid, Jerash und Ajloun. Das Rote Kreuz unterstützt 2‘000 der  verletzlichsten Familien mit einem monatlichen Beitrag für die Wohnungsmiete. Die Freiwilligen des Jordanischen Halbmondes haben inzwischen ein Vertrauensverhältnis zu ihnen aufgebaut.


Das Teeritual gehört zur orientalischen Gastfreundschaft. SRK, Luca Linder.

 So wird auch der Besucher aus der Schweiz freundlich empfangen. Und plötzlich macht ein Tablett mit dem mit Minze angereichertem Schwarztee die Runde. „Wir haben fast nichts, aber für ein Glas Tee für den Gast muss es immer reichen“, sagt die Grossmutter, die ihre Kinder und Grosskinder bei der  Flucht begleitet hat. Wir sind sowohl berührt wie auch ein bisschen beschämt.

Mehr zur Situation der syrischen Flüchtlinge:

- Zehntausende auf der Flucht
- Das SRK hilft in Jordanien
- Reportage aus Amman




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