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Dienstag, 9. April 2013

Eine Rose lässt sich nicht unterkriegen


Das zentralamerikanische Land El Salvador wird regelmässig von Erdbeben, Wirbelstürmen und Überschwemmungen heimgesucht. Mit dem Salvadorianischen Roten Kreuz engagiert sich das SRK im Wiederaufbau und in der Katastrophenvorsorge. SRK-Mitarbeiter Karl Schuler war zu Besuch. 











Ihr voller Name hat einen noblen Klang: Rosa Elba Estrada del Cid. „Hier nennen mich alle nur Rosa Chata“, sagt die gut 70-Jährige mit dem Schalk in den Augen. Chata bedeutet klein und untersetzt, und die Kurzversion passt durchaus zur energischen Rosa im salvadorianischen Küstendorf.

Die schwere Überschwemmung, die im Oktober 2011 die Gegend des Bajo Lempa im Osten El Salvadors heimsuchte, zerstörte auch den Ziehbrunnen im Hof von Rosa Chata.


Heute zeigt sie uns stolz, wie leicht sich das Wasser mit der Handpumpe aus dem neuen Brunnenschacht aus 10 Meter Tiefe ans Tageslicht befördern lässt. Dann zeigt sie uns den Wasserfilter, der auf dem sauber geputzten Lehmboden der Küche aufgestellt ist. Zusammen mit 360 weiteren Familien der Region erhielt sie nach der Unwetter-Katastrophe vom Roten Kreuz  einen intakten Trinkwasseranschluss und die Filter zur Reinigung des Wassers. 

In wenigen Sätzen schildert die Kleinbäuerin ihr Leben. Sie gebar 10 Kinder, von denen nur fünf überlebt haben. „Mein Mann schlug mich und trank sich zu Tode. Wegen der Schläge sind drei Kinder kurz nach der Geburt gestorben“. In einer von Machismo und Alkoholismus geprägten Gesellschaft müssen Frauen wie Rosa Chata stark sein, um zu überleben.

Heute lebt sie gemeinsam mit einem Sohn, den bereits erwachsenen Grosskindern und zwei kleinen Urgrosskindern. Die 4-Generationen-Familie  wohnt in zwei einfachen Häusern. Das Leben spielt sich hauptsächlich im grossen Innenhof ab. Hier stehen nicht nur der Brunnen und das Waschbecken.

Hier hat die Älteste der Familie, wie sie sich lachend nennt, auch ein Gemüsebeet angelegt. Freiland-Hühner gackern zufrieden und ein Schwein darf das Dasein noch bis zur nächsten Weihnacht geniessen. Ein ausladender Mangobaum spendet Schatten und wir geniessen die süss-saftige Frucht eines „Marrañons“, Kaschu-Baumes. Zwischen den Baumstämmen spannt sich eine Hängematte, in der ein Kleinkind träumt.

Zum Ausruhen in der Hängematte bleibt Rosa Chata auch noch heute wenig Zeit. Sie hat immer viel gegeben und wenig bekommen. „Der Brunnen ist eines der grössten Geschenke, die ich im Leben erhalten habe“, meinst sie dankbar zum Abschied.    


Die internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften IFRC macht dieses Jahr mit ihrer Kampagne silent disasters auf das Schicksal derjenigen aufmerksam, deren Stimme sonst ungehört verhallt.

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