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Donnerstag, 2. Mai 2013

Eine Bankkarte für Flüchtlinge

Der Konflikt in Syrien dauert an, immer mehr Menschen flüchten in die Nachbarländer, zum Beispiel nach Jordanien. Auch das SRK leistet dort Soforthilfe. Hannes Heinimann, Leiter Katastrophenhilfe SRK berichtet aus Jordanien.









Jerash/Jordanien, am 24. April 2013. Es ist ein warmer und sonniger Tag, einige 100 Meter entfernt von der berühmten und eindrücklichen römisch-griechischen Stätte Gerasa, welche täglich von zahlreichen Touristen aus aller Welt besichtigt wird. Neben mir steht eine grosse Menschenmenge von Männern, Frauen und Kindern, welche geduldig auf Einlass vor dem Tor der Gemeindeverwaltung warten.

Heute erhalten rund 80 aus Syrien geflüchtete Familien zum ersten Mal vom Schweizerischen Roten Kreuz einen Geldbetrag zur Zahlung ihrer dringendsten Bedürfnisse, vor allem für Wohnungsmiete, Stromkosten und Nahrungsmittel. Gruppenweise werden die wartenden Flüchtlinge in das Gemeindehaus eingelassen, wo freiwillige Helfer des Jordanischen Roten Halbmonds und die Delegierte des SRK die Beratung der bedürftigen Menschen übernehmen und die Verteilung der Bankkarten organisieren.

Zuerst muss sich jede Einzelperson oder Familie ausweisen. Es wird überprüft, ob die auf der vorbereiteten Liste der Hilfsempfänger aufgeführten Personen wirklich auch mit den persönlich Anwesenden identisch sind. In einem nächsten Schritt wird den Flüchtlingen erklärt, wie sie die Bankkarte mit Geheimcode anwenden, um kleinere oder grössere Geldbeträge bei einem Bancomat  abheben zu können.

Am nächsten Tisch wird den Hilfeempfängern ihr Vertrag mit dem Roten Kreuz vorgelesen, Es handelt sich um eine monatliche Geldsumme von umgerechnet zwischen 180 und 220 Franken , je nach Grösse der Familie. Die Unterstützung dauert vorerst drei Monate. Der Vertrag bestätigt, dass die Flüchtlinge die Geldmittel nach eigener Wahl einsetzen können, dort wo ihre Bedürfnisse am grössten sind. Den Kauf von Drogen und Alkohol ist explizit verboten, ebenso die Verwendung für Geldspiele.


Endlich kommt der Moment, in dem die Flüchtlingsfamilie ein kleineres Zimmer betritt, wo der Vertrag unterzeichnet und die wertvolle Bankkarte samt Geheimcode ausgehändigt wird. Viele Männer und Frauen sind von ihren Gefühlen überwältigt, einige brechen gar in Tränen aus, vor Glück oder Erleichterung. Vor allem für die Frauen ist es das erste Mal in ihrem Leben, dass sie über eine eigene Bankkarte verfügen. Dank diesem Beitrag hegen die Menschen ein bisschen mehr Hoffnung für die Bewältigung einer für sie ungewissen und schwierigen Zukunft.

© SRK, Hannes Heinimann

«...Sie erschossen den dreijährigen Sohn vor den Augen der Geschwister und der Eltern. Und dann seien noch andere Dinge geschehen, sagt Khalil, aber er möchte nicht darüber sprechen. Das Haar des achtjährigen Sohnes Mustafa wurde über Nacht weiss, vor Schreck über diese Erlebnisse...»  Zitat aus der Reportage zur SRK-Hilfe in der NZZ




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