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Donnerstag, 18. Juli 2013

Unterwegs zur perfekten Putzfrau

In vier Minuten ein Herrenhemd bügeln und falten – diese Aufgabe macht etwas Kummer. Auf alle anderen Teile der Schlussprüfung fühlen sich Esther, Liliane und Rosymira gut vorbereitet. Sie haben den sechswöchigen Intensivkurs zur Haushalthilfe absolviert, den die Bourse à Travail (BAT) in Lausanne anbietet. Von den neun Kursteilnehmerinnen stammen die meisten aus Afrika, und die meisten sind Sans-Papiers. Für ihr Engagement hat die Bourse à Travail Ende Juni den Rotkreuzpreis 2013 des SRK für besondere humanitäre Leistungen erhalten.

Die Generalsekretärin der Bourse à Travail, Pascale Kohli, erklärt Details der Putzprüfung. 

Der Kurs umfasst alles, was eine gute Haushalthilfe wissen muss: Putzen, Bügeln, Kochen usw. Die meisten Kursbesucherinnen kennen die Haushaltarbeit. Aber hier werden sie so geschult, dass sie auch äusserst anspruchsvolle Kundschaft zufrieden stellen können. Darum geht es auch Benoîte aus Kamerun, die seit einem Jahr mit ihrem Ehemann in Payerne lebt: „Ich besuche den Kurs, um mich nützlich machen und integrieren zu können, nicht nur um Geld zu verdienen.“

Solange aus Kamerun an der Arbeit.
Christine, junge Rentnerin, arbeitet seit 2,5 Jahren als Freiwillige bei der BAT. An drei Tagen pro Woche hilft sie den Absolventinnen des Haushaltkurses bei der Suche nach Arbeit. Oft suchen Alters- und Pflegeheime oder Sozialdienste Haushalthilfen. Sie weiss, dass die Kursabsolventinnen alles geben, um Erfolg zu haben – für manche ist des die erste Prüfung in ihrem Leben. Nur den Sans-Papiers kann sie aus rechtlichen Gründen nicht Arbeit vermitteln. Sie hilft ihnen aber beim Erstellen ihres Bewerbungsdossiers.

Suzanne, auch aus Kamerun, ist verheiratet und lebt seit drei Jahren in Freiburg.
Was es heisst, als Sans-Papier hier zu leben, erzählt Aline aus Kamerun, seit 2008 in der Schweiz. Sie lebt im Kanton Genf, kann dort aber keine Ausbildung wie den Kurs der BAT absolvieren. Keine Arbeit, keine Versicherung, kaum Geld, Angst vor einer Festnahme gehören zu ihrem Alltag. „Es ist wie wenn man nicht existiert“, sagt sie. Sie hofft auf eine Normalisierung durch die Heirat mit ihrem Lebenspartner.

„Ich besuche den Kurs, um mich nützlich machen und integrieren zu können, nicht nur um Geld zu verdienen", erklärt Benoîte.
Wie die Ausbildung der BAT nützt, bestätigt Alima aus Côte d’Ivoire, seit gut vier Jahren in der Schweiz. Dank des Zertifikats der BAT und dank ihrer Motivation hat sie vor sechs Monaten eine Stelle bei Manor erhalten – der erste Arbeitsvertrag ihres Lebens. Seit drei Monaten hat sie eine zweite Teilzeitstelle im Bahnhof. Das gibt den Frauen Mut, denen die Arbeitssuche noch bevorsteht.

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