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Donnerstag, 29. August 2013

Ein schwarzes Schaf spielt Sackhüpfen und findet seinen Weg

In den Armenvierteln von Tegucigalpa wachsen Kinder inmitten von Gewalt und Drogenkriminalität auf. Um jenen, die es wollen, den Ausstieg und eine neue Perspektive zu ermöglichen, bietet das SRK dort Ausbildungen, Workshops und Freizeitprogramme an. Auch für den 14-jährigen Rony.

Katharina Schindler
hat mit Rony gesprochen.







Ich mache noch nicht lange mit im Jugendzentrum. Als ich vor einem halben Jahr von der Schule flog, hat mich meine Mutter hierher gebracht.


Sie hatte Panik und wollte nicht, dass ich weiter auf der Strasse rumhänge mit  all den schlechten Dingen, die dort passieren. Ich bin der Mittlere von drei Brüdern und irgendwie war ich schon immer das schwarze Schaf.

Ich wohne ja auch mit meiner Grossmutter und nicht mit den Eltern zusammen. Zwar im gleichen Quartier aber eben doch nicht mit ihnen. Schon von klein an war ich dauernd auf der Strasse, das war fast wie meine Familie.

Am Anfang kümmert sich die Bande um dich, erst mit der Zeit wird es hart. Ich habe schon sehr viel gesehen und erlebt. Viel Schlechtes.Ich habe viel gekifft. Mit harten Drogen habe ich aber nichts am Hut. Da muss man aufpassen.


Ein Freund von mir wurde zum Drogenkurier. Er war nicht älter als ich. Einmal sah ich, wie er in ein Auto gezerrt wurde. Später erfuhr ich, dass sie ihn umgebracht haben. So ist das Leben hier. Zwischen den Banden herrscht Krieg, es geht immer um Leben und Tod.


Von der Schule flog ich, weil ich meine Lehrerin beleidigt habe. Ich weiss nicht mehr genau, was ich sagte. Jedenfalls kann man sieben Mal verwarnt werden. Beim achten Mal fliegt man raus. Aber eigentlich bin ich super gut in der Schule. Alles ist einfach für mich.
Nur leider hat es mich meistens überhaupt nicht interessiert. Ich war lieber auf der Strasse.


Als ich zuerst ins Jugendzentrum des Roten Kreuzes kam, war ich nicht motiviert. Was sollte ich da? Sie steckten mich ins Schreineratelier, aber das war nichts für mich. Jetzt mache ich als Freiwilliger bei den Kindernachmittagen mit.


Das ist schon eher mein Ding. Am Morgen treffen wir uns im Zentrum und bereiten das Programm vor. Am Nachmittag gehen wir dann in den Quartiertreff und spielen mit den Kindern. Zum Beispiel Sackhüpfen oder blinde Kuh. Das macht sogar mir Spass.


Die Kinder würden sonst auch einfach auf der Strasse rumhängen und vielleicht eines Tages Drogenkurier werden. Seit ich hier bin habe ich mich total verändert.


Frühere Kollegen drehen sich manchmal nach mir um, weil sie mich kaum mehr erkennen. Wir waren ja auch dauernd bekifft. Jetzt habe ich einen klaren Kopf. Ich hoffe, ich kann es durchziehen.

Alle Bilder: Caspar Martig


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