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Donnerstag, 29. August 2013

Swar: Vom Strassenkind zum Rotkreuz-Mitarbeiter

In den Armenvierteln von Tegucigalpa wachsen Kinder inmitten von Gewalt und Drogenkriminalität auf. Um jenen, die es wollen, den Ausstieg und eine neue Perspektive zu ermöglichen, bietet das SRK dort Ausbildungen, Workshops und Freizeitprogramme an. Eine Geschichte, die das Leben in Tegucigalpa schrieb.

Katharina Schindler
erzählt Swars Geschichte







Ich bin mit der Mentalität der Maras aufgewachsen. Ich habe nie etwas anderes gekannt als die Strasse. Meine Mutter hat uns verlassen als ich noch klein war. Sie zog mit meinen Schwestern nach Spanien. Ich blieb mit meinem Vater zurück.


Mein Vater musste arbeiten, also war ich auf mich selbst gestellt. Logisch lebte ich auf der Strasse. Dort hat man sich um mich gekümmert. Mara-Anführer haben mir mein erstes Velo geschenkt. Später, als ich etwa zehnjährig war, musste ich dann auch Aufgaben für sie übernehmen. Ich wurde als Drogenkurier eingesetzt. Ich war noch klein, die Polizei kontrollierte mich nicht. Die Drogen transportierte ich in meiner Unterhose von einem Quartier ins andere.


Ich habe viel Schlimmes gesehen und auch Schlechtes getan. Aber ich habe nie getötet.  Das war für mich eine Grenze, die ich nicht überschreiten wollte. Deshalb bin ich ausgestiegen. Aber auch, weil ich es nicht mehr ertrug, Freunde zu verlieren. Ich habe viele sterben sehen, auch meinen Cousin. Mein bester Freund hat selber Drogen genommen. Eines Tages ist er zusammengebrochen und gestorben. Einfach so. Ich war extrem traurig, wusste nicht mehr was tun. Aber zuhause ich habe nie etwas erzählt.


Unterdessen habe ich auch einen kleine Halbbruder.  Von einer Tante hat meine Mutter in Spanien erfahren, dass ich in schlechten Kreisen verkehre. Sie hat sich extrem aufgeregt und mich immer wieder angerufen. Sie hat mir Vorwürfe gemacht und gesagt, sie sei schwer enttäuscht von mir. Das war auch ein Grund, weshalb ich mein Leben ändern wollte.


Von einem Kollegen wusste ich, dass man im Jugendzentrum des Roten Kreuzes Berufe erlernen und gute Leute treffen kann. Ich habe vor allem Computerkurse besucht. Jetzt leite ich sogar das Internetcafé im Jugendzentrum.


Zuerst hatte ich Angst. Weil ich so lange bei der Jugendbande war, habe ich Insider-Wissen. Ich dachte, sie würden mich umbringen, wenn ich aussteige. Das wäre nichts Ungewöhnliches, das kommt immer wieder vor.

Auch ein Jugendlicher, der hier im Zentrum mitmachte, wurde eines Tages doch noch erschossen.
Aber mir ist nichts passiert, langsam fühle ich mich sicherer. Manchmal treffe ich einen Kumpel von früher auf der Strasse. Dann grüsse ich ihn und gehe weiter.



Alle Bilder: Caspar Martig







1 Kommentar:

  1. Sehr rührende Geschichte! Zeigt auch, dass es möglich ist etwas zu verändern und zu helfen. Ähnliche Geschichte aus Russland unter www.glueckspilze-film.ch/.

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