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Dienstag, 29. Oktober 2013

Brotfladen am frühen Morgen

In der libanesischen Stadt Zaleh versorgt das Rote Kreuz syrische Flüchtlinge mit Brot. SRK-Mitarbeiter Karl Schuler hat die Bäckerei am Morgen einer Verteilung besucht.
 



 








Da sind wir an diesem Sonntagmorgen in der libanesischen Hauptstadt Beirut besonders früh aufgebrochen, um rechtzeitig bei der Brotverteilung um halb Acht in der Stadt Zaleh auf halbem Weg zwischen Beirut und Damaskus einzutreffen. Und waren sogar ein bisschen stolz darauf, den Wecker auf fünf Uhr gestellt zu haben.

Bis der Bäcker Wahel Ibrahim dann gleich bei der Begrüssung in der Grossbäckerei "Latour" zufrieden auf die über 2000 frischen Brotfladen zeigte, die er und seine zehn Angestellten seit drei Uhr früh zubereitet haben. Im Vergleich zu ihnen waren wir trotz allem Langschläfer...


Wahel Ibrahim

Gebacken haben sie die typischen flachen Pita-Brotfladen im Auftrag des Roten Kreuzes, welches sie an diesem Sonntag an syrische Flüchtlingsfamilien verteilt. Je nach Grösse der Familien erhalten diese zwischen einem und mehreren Kilos der Fladen, die sich über eine Woche gut halten lassen. Der 32-jährige Wahel Ibrahim ist bereits seit 14 Jahren Bäcker, aber so viele Brotfladen habe er in seinem Betrieb noch nie gebacken, meint er.

Freiwillige des Libanesischen Roten Kreuzes haben jene Familien der umliegenden Flüchtlingssiedlungen ausgesucht, die besonders auf Hilfe angewiesen sind. Heute stehen 300 Frauen und Männer an, um die Brotpakete entgegenzunehmen. Einige Kinder und Jugendliche sind mit dem angerosteten Velo oder Kleinmotorrad gekommen, um anschliessend die wertvolle Fracht zu transportieren.

Der Zustrom der Menschen aus Syrien bedeutet für den Libanon, der vier mal kleiner ist als die Schweiz, in jeder Hinsicht eine grosse Herausforderung. Bereits leben mindestens 1.2 Millionen Syrerinnen und Syrer in diesem Nachbarland, das bisher gut 4 Millionen Einwohner zählte. In der christlichen Kleinstadt Zaleh in der fruchtbaren Bekaa-Ebene hat sich die Einwohnerzahl innerhalb eines guten Jahres von 25 000 auf über 50 000 mehr als verdoppelt. Nur etwa 10 % der syrischen Flüchtlinge gehören zu jener Schicht, die sich ein Haus oder eine normale Wohnung leisten können.


Die Mehrheit mietet sich in einem der vielen noch nicht fertig erstellten Gebäude oder in Garagen und sonstigen Verschlägen einen Raum zu oft überhöhten Preisen. Und das ärmste Drittel mietet für monatlich 60 Franken eine Hütte aus Plastik und Holzlatten in einem der 55 in der ganzen Bekaa-Ebene verteilten provisorischen Lager. Um die Kosten zu senken, teilen sich zwei bis drei Familien eine grössere Zelt. In einer eigens eingerichteten Kochnische steht ein Rechaud für die Zubereitung des heissen Tees und eine einfache Mahlzeit.

Ali Issa bringt seiner fünfköpfigen Familie die Brotration nach Hause.
Auch Ali Issa, der vor bald einem Jahr mit seiner fünfköpfigen Familie aus dem umkämpften Aleppo hierher geflüchtet ist, teilt seine Hütte mit einer weiteren Familie. Er habe in seinem Heimatland ein Landstück zu tiefem Preis verkaufen müssen, um hier seine Familie durchzubringen. Nur unregelmässig findet er Arbeit als Taglöhner in einem der grossen Landwirtschaftsbetriebe in der Bekaa-Ebene, um Tomaten zu pflücken oder Kartoffeln auszustechen. Wir begleiten ihn in sein provisorisches Zuhause und werden von seiner Frau Sanaa freundlich begrüsst. Sie und ihre drei kleinen Mädchen haben sich auf das frische Brot besonders gefreut. Und Sanaa meint, sie habe einige Erfahrung darin, wie sich das Brot möglichst lange aufbewahren lasse, um es zu den täglichen Gerichten zu reichen.




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